Was forscht das Saarland?

Von Dr. Christian Marettek

Überblick (Stand 18.06.2020)

Das FIDES-Projekt 0434 „Was forscht das Saarland?“ steht noch ganz am Anfang bzw. befindet sich derzeit noch in der Abstimmung, insbesondere mit der IHK Saarland.

Am Beispiel des Saarlandes, das erhebliche Standortprobleme aufweist, will FIDES e.V. ein spannendes Forschungs- und Partizipationsprojekt starten. Im Mittelpunkt steht die Frage:

Welche Möglichkeiten haben engagierte Bürger, demokratiereform unter Einschaltung aller Experten von Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Journalistik einen neuen Anfang für den gemeinsamen Standort zu schaffen –

natürlich überparteilich und möglichst ohne Schädigung individueller Interessen z.B. der Wissenschaftler*innen (denen das Grundgesetz die Freiheit von Lehre und Forschung gewährt) und/ oder

der bereits bestehenden Unternehmen (deren Geschäftsgeheimnisse nicht „ausgeplaudert“ werden dürfen)?

Standort Saarland

Erst recht nach der Corona-Zwangspause muss sich der Standort Saarland neu erfinden! Und zwar unter Beachtung der digitalen Revolution.
In vielen Studien, die die deutschen Regionen verglichen haben, werden für das Saarland – nach Sachsen-Anhalt – die schlechtesten Zukunftsperspektiven angenommen.
Hintergrund: Bislang existiert eine starke Abhängigkeit von der Automotive-Branche (bislang fast nur Verbrennungsmotor-Technologie) sowie in geringerem Umfang von der Stahlindustrie. Demgegenüber hat das Saarland die frühere Abhängigkeit vom Kohlebergbau innerhalb weniger Jahre vorbildlich (bei geringer Arbeitslosigkeit) verarbeitet. Die Notwendigkeit eines weiteren Strukturwandels ist bislang durch die extrem erfolgreiche Automotive-Branche – es handelt sich hauptsächlich um das erfolgreiche Werk des Ford Focus in Saarlouis samt umfangreichem Zuliefererpark sowie als größtes saarländisches Unternehmen derzeit, die ZF-Werke in Saarbrücken, die Automatikgetriebe vor allem für die starken AUDI-, BMW- und Porsche-PKW liefern (es handelt sich leider hauptsächlich um die berühmten „verlängerte Werkbänke“ (inkl. produktnaher Entwicklung), während die Hauptanteile wertschöpfender Forschung eher in Friedrichshafen oder Köln/Dearborn angesiedelt sind.


Wofür soll der Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Saarland nach der digitalen Revolution in 10 Jahren stehen?
Solchen Fragen stellen wir uns im neuen Projekt „Was forscht das Saarland?“

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Hintergrund: Der FIDES-Leiter Dr. Christian Marettek ist seit 10 Jahren Spezialist für Strategieberatung von Hochschulen und hat u.a. bereits 2014 zum Thema eine gemeinsame Veranstaltung mit der IHK und der Staatskanzlei gemacht.

Spannend ist, die Interessen der Wirtschaft genauso fair wie die der Hochschulen professionell zu berücksichtigen. Herausforderung: Wie kommt man bei vielen beteiligten Forscher*Innen – die alle ihre eigene Strategie haben – dennoch zu allgemein anerkannten, gemeinsamen Forschungsstrategien, die dem Standort nützen, also Arbeitsplätze schaffen?
Derzeit finden Gespräche mit der IHK statt, evtl. sollen zunächst die Interessen der saarländischen Unternehmen – insbesondere wenn forschungsstark – professionell erhoben werden, um später zusammen mit den Hochschulen eine echte Strategie für den Standort zu erarbeiten (Wirtschaft und Wissenschaft sollten sich in die gleiche Richtung fokussieren).

Standortstrategie als hochkomplexes Verhandlungsproblem

Wir stehen ganz am Anfang eines immens komplexen Projekts! Wir suchen weiter engagierte Mitstreiter und wir werden zwangsläufig nur dann erfolgreich sein, wenn die Interessen der Hochschulen wie der Wirtschaft möglichst optimal berücksichtigt werden!

Selbstverständlich hat die Staatskanzlei beispielsweise die zentrale Vorgabefunktion im Hinblick auf die Strategieformulierung. Es ist dabei unseres Erachtens wirklich erfreulich, dass sich unser junger Ministerpräsident Tobias Hans mit Ammar Alkassar in die saarländische Staatskanzlei einen außergewöhnlich erfahrenen „Bevollmächtigten für Innovation und Strategie und Chief Information Officer“ (CIO) geholt hat (der bereits erfolgreich ein größeres Startup aufgebaut und über Jahre geleitet hat!).

Es wird noch eine große Herausforderung, die immense Anzahl der Beteiligten (siehe Bild) in einem geordneten Diskussionsprozess zu Wort kommen zu lassen.

  • In der geplanten ersten Phase sollen zunächst die Unternehmen gefragt werden: Welche Forschungs- und Entwicklungsziele werden in den nächsten 5 Jahren angestrebt?
  • Wie könnten die saarländischen Hochschulen helfen?
  • Nach der bisherigen Planung wollen wir im Projekt nacheinander die Branchen IT/Elektrotechnik, Automotive, Sonstiges betrachten.

Die Finanzierung soll weitgehend über Sponsorenmittel und projektbezogene Spenden an den gemeinnützigen Verein FIDES e.V. erfolgen. Die Mitglieder der Kern-Projektgruppe (die am meisten Zeit investieren und die sich zur Vertraulichkeit verpflichten müssen) sollen nach den Grundsätzen des Gemeinnützigkeitsrechts Verdienstausfall-Entschädigungen erhalten.

Am Ende der mehrmonatigen/ mehrjährigen Fachdiskussionen plant FIDES e.V. eine Art Bürgerrat, der sich aber zur Verschwiegenheit verpflichten muss. Ist es möglich, durch eine kollektive Anstrengung aller engagierten Saarländer eine tragfähige Standortstrategie zu erarbeiten?
Im Idealfall soll das Projekt als gemeinnütziges Projekt zusammen mit den zuständigen IHK-Gremien durchgeführt werden.