Führungs- und Konfliktforschung

Von Dr. Christian Marettek, FIDES-Leiter (Stand 29.12.2018)

Überblick

Führungs- und Konfliktforschung geschieht grundsätzlich sowohl auf Ebene von Nationen (großer Kollektive) als auch auf Ebene der Individuen innerhalb kleiner Kollektive (z.B. bezogen auf die Situation einer betrieblichen Abteilung mit mehreren Teams). Aus fachlicher Sicht bildet die Führungs- und Konfliktforschung auf individualpsychologischer Ebene die Basis für die weitergehende Erforschung der Beziehungen innerhalb großer Kollektive wie des Gesamt-Unternehmens, der Region, der Nation (= Teil der Demokratieforschung i.e.S.) oder – noch weitergehender – zwischen Nationen.

Weil Führungs- und Konfliktforschung ein weites Feld ist (und integrativ bislang kaum gelehrt wird) erläutern wir im Folgenden die bisherigen Arbeitsergebnisse von FIDES e.V.


Führungs- und Konfliktforschung auf nationaler und internationaler Ebene

Am Beispiel der Ukraine-Krise (wir verweisen auf die gute Seite in Wikipedia) haben wir in einem kleinen Vorprojekt die Gründe für das Wiederaufflackern des Ost-West-Gegensatzes in Europa exemplarisch analysiert und zugleich wesentliche Grundsätze der FIDES-Forschung erarbeitet.

Hintergrund: Obwohl aus Sicht des abstrakten Gemeinwohls Europas seit Jahrzehnten wirklich alles gegen ein neues Wettrüsten sprach (und spricht):

  • die für neue Waffensysteme ausgegebenen Mittel können nicht anderweitig ausgegeben werden
  • die NATO-Sanktionen gegen Russland belasten auch die westlichen Länder, haben zu keinerlei Deeskalation geführt und dürften im Ergebnis eher russischen Nationalismus und autoritäre Regierungsformen stärken
  • der aus demokratietheoretischer Sicht so drängende Aufbau einer demokratiefähigen Zivilgesellschaft in Russland benötigt gesicherte Eigentumsrechte und entsprechende unternehmerische Entfaltungsmöglichkeiten, damit erstmals ein russischer Mittelstand entstehen kann; die Sanktionen verursachen offenbar eher das Gegenteil
  • die theoretische Möglichkeit, politische Konflikte militärisch zu lösen, wird angesichts der fehlenden politischen und ökonomischen Alternativen eher ins Kalkül gezogen
  • das ethisch völlig unbefriedigende (tägliche) Weiter-Sterben in der Ost-Ukraine ist leider das bisherige Ergebnis (bis hin zu drohenden Umweltkatastrophen, wenn z.B. radioaktive und chemische Abfälle durch kriegerische Handlungen in die Umwelt gelangen).

Dennoch hat sich die Sicherheitslage in Ost-Europa mittlerweile so verschlechtert, dass sich zum Redaktionsschluss Ende 2018 immer größere Ängste, vor allem in den baltischen Staaten und Polen, breitgemacht haben, dass Russland nach der Ukraine aus innenpolitischen Gründen (Befriedigung des russischen Nationalismus) ein weiteres europäisches Land destabilisieren könnte (dazu vgl. ausführlich).

Wie konnte das aus psychologischer Sicht passieren? Dabei waren doch alle Politiker scheinbar zufrieden, als die Vision eines friedlichen Zusammenlebens von Lissabon bis Wladiwostok formuliert wurde. Dass wir trotzdem schon wieder das Entstehen eines neuen Ost-West-Gegensatzes erleben müssen, verdient eine sorgfältige Analyse zum Warum! Viele Menschen im Westen sagen an dieser Stelle in Gesprächen einfach abwertend: „P ist ein Spieler“ oder „P ist einfach ein …“. So einfach ist es m.E. aber nicht: Jedes politische Handeln muss nach FIDES-Überzeugung psychologisch erklärt werden! Erst recht das des erfahrenen Politikers Putin. Der „neue“ Ost-West-Konflikt ist offenbar trotz der unzähligen internationalen Verhandlungsrunden zur Ukraine-Krise (Minsk-Abkommen usw.) und insbesondere trotz des erheblichen persönlichen Einsatzes von Angela Merkel und der langjährigen, zuvor positiven Beziehungen zu Wladimir Putin entstanden.  Wie konnte es passieren, dass am Ende der Merkel-Jahre wieder ein virulenter Ost-West-Konflikt entstanden ist – obwohl unsere Kanzlerin unbestritten über die gesamte Zeit und mit ganzem Herzen dagegen gearbeitet hat. 

Bekanntlich handelt es sich beim Ukraine-Russland-Konflikt um eine über Jahrhunderte entstandene Gemengelage, weil sowohl Russland, Weißrussland als auch die Ukraine ihre Staatlichkeit auf dasselbe Volk der Kiewer Rus zurückführen – ähnlich wie Frankreich und Deutschland ihre Staatlichkeit auf Karl den Großen zurückführen. Es handelt sich um einen in der Zarenzeit sowie der Sowjetunion weiter vertieften, dann aber eingefrorenen hochkomplexen Konflikt, dessen Intensität durch das Handeln der Nationalisten beider Seiten, die jeweils einen Anspruch auf dasselbe Staatsgebiet erheben, neu angefacht wurde. FIDES konnte als kleines Institut zwangsläufig nicht alle Aspekte des historischen Konglomerats unterschiedlicher Konfliktebenen rund um den heutigen Staat Ukraine bearbeiten, welcher bekanntlich zu beachtlichen Teil von Russen bewohnt wird. Fokussiert wurde deshalb nur die Rolle der Bundeskanzlerin im Umfeld der Ukrainischen Revolutionen von 2004 (Orangene Revolution) und 2013/2014 (Euromaidan) betrachtet – und dies auch nur exemplarisch und mit einer geringen Analysetiefe.

Entsprechend der für FIDES typischen Forschungskonzeption erfolgte eine ganzheitliche Betrachtung der Gemengelage von individualpsychologisch ausgerichtetem Führungshandeln (hier: die unterschiedlichen Führungssituationen von Putin und Merkel) einerseits und der massenpsychologischen Phänomene der ukrainischen Revolution bzw. des russischen Nationalismus und der innenpolitischen Situation in Deutschland andererseits.

Dabei ging es nicht um ein oberflächliches Verständnis für Wladimir Putin, wie es vielleicht Alt-Bundeskanler Schröder zugeschrieben wird und das in der Öffentlichkeit leider schnell karikiert und damit ad absurdum geführt wird. Auch nicht um die traditionellen Selbstzweifel des Westens, dass man nach 1989 die NATO-Mitgliedschaften der baltischen Staaten, Polens, Tschechiens, der Slowakei, Rumäniens und Bulgariens schon quasi vorbeugend hätte verhindern sollen – obwohl sie doch eindeutig im Rahmen des Selbstbestimmungsrechts der Völker erreicht wurden (also nur um den „russischen Bären nicht zu reizen“). Nach der hier vertretenen Auffassung greifen beide Erklärungsmuster zu kurz bzw. führen in die Irre.

Bei der ganzheitlichen Analyse auf Basis der veröffentlichten Meinung ging es vor allem um folgende Fragen, für die im FIDES-Projekt jeweils Arbeitshypothesen (in roter Farbe) formuliert wurden:

  1. Warum haben die Treffen im Minsk-Format nicht zu einer durchgreifenden Befriedung des Konflikts in der Ost-Ukraine geführt – insbesondere trotz der langjährigen, zuvor vertrauensvollen Beziehungen zu Wladimir Putin? FIDES-Hypothese: Weil der Westen Russland keine attraktiven Verhandlungsangebote gemacht hat, die z.B. eine mögliche Grenzveränderung im Osten der Ukraine und hinsichtlich der Krim über Volksabstimmungen  zu einer international anerkannten Gesamtlösung geführt hätten können. Wenn man die vorzügliche Landkarte der Wikipedia anschaut, dann sind bislang lediglich die zwei am stärksten von der russischen Sprache dominierten Regionen der Ukraine besetzt worden, also Gebiete, die mit hoher Wahrscheinlichkeit auch über demokratische Abstimmungen sich für Russland entschieden hätten! Nach meiner Einschätzung ist es vor allem unerträglich, dass Europa offenbar keine friedliche Regelung kennen will, die Grenzen ohne Blutvergießen anzupassen. Das erste EU-Dogma, das hier zur Diskussion gestellt wird, ist das von der Unverletzbarkeit aller Grenzen, wie es nicht nur in der Ukraine sondern auch zB im Kosovo-Konflikt eher hinderlich dafür war und ist, dass endlich eine dauerhafte Friedenslösung über Gebietsaustausche zwischen Kosovo und Serbien gelingt. Die Bedeutung der Nation für die gewünschte Zugehörigkeit der Menschen sollte endlich stärker als politikrelevant anerkannt werden (Nationalistische Fehlentwicklungen können psychologisch am Ehesten durch eine Mischung aus gegenseitigem Respekt der unterschiedlichen Nationalitäten und ihrer Empfindlichkeiten einerseits und intensiver Zusammenarbeit andererseits verhindert werden).
  2. Da der Ukraine-Konflikt auch bis Ende 2018 kaum einen Schritt weitergekommen ist und kürzlich wieder ukrainische Schiffe im Asowschen Meer von der russischen Marine aufgebracht wurden: Was ist heute (Ende 2018) für eine wirksame Problemlösung zu prüfen? FIDES-Hypothese: Trotz des bereits unerträglichen Blutzolls der gestorbenen Menschen und des auch von Merkel immer wiederholten (zweiten) EU-Dogmas, dass Aggressionen sich nicht lohnen dürfen, dürfte ein wirksamer Friedensschluss im Ukraine-Konflikt leider nicht ohne derartige Kompromisse hinsichtlich des Staatsgebiets gelingen. Wünschenswert wäre es, dass für die Zukunft im Völkerrecht endlich festgelegt wird, wie im Interesse einer stabilen Friedensordnung eine Veränderung von Gebietszugehörigkeiten ohne Blutvergießen abgewickelt werden kann (z.B. über von OSZE-Beobachtern kontrollierte Volksabstimmungen) und wie ausgeschiedene Diktatoren eine erträgliche persönliche Zukunft nach der Amtszeit gewährt werden kann. Nach der hier vertretenen Auffassung sind insbesondere friedliche Grenzveränderungen im Sinne der gelebten Selbstbestimmung auch ein Schlüssel für die weitere Akzeptanz der Demokratie als Staatsform.
  3. Welche Motivation hatte (hat) Putin bei der asymmetrischen Kriegsführung? FIDES-Hypothese: Im Gegensatz zur weitverbreiteten Meinung, dass Putin eine unbegründete einseitige Aggression begangen hat, gehen wir davon aus, dass auch echte Ängste vor dem Überschwappen der Revolution auf Moskau von Bedeutung waren. Putin dürfte sich der begrenzten demokratischen Legitimation seiner Form der Demokratie durchaus bewusst sein. Der Sturz des befreundeten Präsidenten in Kiew hatte Putin offenbar zur Änderung der Politik veranlasst. Aus Sicht eines autoritären Herrschers kann sogar die halboffizielle Begründung, dass die Intervention in der Ost-Ukraine als Abwehrmaßnahme gegen das „Eingekreist-Sein“ anzusehen wäre, eine gewisse Plausibilität erreichen. Meine bisherige Auffassung über die bewusste Destabilisierung der Ukraine zur Wiederherstellung des früheren Einflussgebiets ist sachlich zwar nicht falsch, sollte aber ergänzt werden von der Erkenntnis, dass dieselbe Destabilisierung faktisch eine Art „Lebensversicherung“ für Putin darstellen dürfte, ergänzt um die banale Feststellung, dass eine ungefährdete bürgerliche Existenz Putins unter einem Nachfolger schon angesichts der unzähligen juristischen Angriffsmöglichkeiten nur schwer erreichbar erscheint. Im Grunde handelt es sich auch bei Putin m.E. teilweise auch um das Problem jedes irgendwann ausscheidenden Diktators, wie es z.B. in Afrika weitverbreitet zu beobachten ist. Faktisch ist Putins Ziel derzeit erreicht: Die Ukraine ist durch den Krieg so stark belastet, dass sie bereits jetzt das niedrigste BIP pro Einwohner in Europa aufweist. Außerdem ist ein Beitritt zur EU oder NATO derzeit ausgeschlossen. Jedenfalls ist die Ukraine jetzt überhaupt kein attraktives Gegenmodell zu Moskau mehr. Außerdem hat sich Putin als Vergrößerer des Russischen Föderation (Krim) erwiesen, was die Wahlchancen Putins im nationalistischen Umfeld Russlands plausibel verbessert. Also insgesamt drei ganz rationale Gründe eines Fast-Diktators. Traurig: dass der Westen die verständlichen Probleme Putins nicht rechtzeitig pragmatisch aufgefangen hat, um das Blutvergießen zu verhindern. Um nicht missverstanden zu werden: natürlich ist die moralische und völkerrechtliche Verantwortung für den Krieg einseitig auf russischer Seite. Das hilft aber den toten Ukrainern (und Russen) genauso wenig wie den russischen Unternehmern, die jetzt vom EU-Markt fast ausgeschlossen bleiben.
  4. Fazit: Es ging und geht immer noch um extrem schwierige Verhandlungen und das Aushandeln des „kleineren Übels“. Durch das Nichtbeharren auf die oben genannten politischen EU-Dogmen könnten vielleicht Menschenleben gerettet und der Ost-West-Konflikt begrenzt werden.

Die zwischenstaatliche Konfliktforschung basiert nach FIDES-Überzeugung aus fachlich-inhaltlicher Sicht weitgehend auf einer menschlich reifen Interpretation der Psychologie als lebensnaher Sozialwissenschaft, wie sie erst in Ansätzen existiert. Das FIDES-Verständnis von lebensnaher Psychologie hatten wir zum Beginn der FIDES-Arbeit im Projekt „Sauberfuehren“ 2015-2016 in einer Gruppe von etwa 10 Leuten unterschiedlicher Generationen gemeinsam erarbeitet. Hintergrund:

Die FIDES-Besonderheit ist die angestrebte ganzheitliche Sicht der relevanten Konfliktebenen im Sinne eines ehrlichen Austauschs über die Frage „Wie wollen wir dann zusammen leben?“ Dies ergibt sich übrigens auch aus dem Namen des Vereins: „Wie wollen wir Demokratie leben?“ Zwischenergebnis: Gute Führungsforschung sollte auch sorgfältig die unterschiedlichen Interessen und existierenden Konflikte mitberücksichtigen.


Führungs- und Konfliktforschung im Betrieb und im Ehrenamt

Die erste FIDES-Veröffentlichung „Wege zu gelingender Führung“ (Christian Marettek 2017, unter Mitarbeit von Dietrich Bickelmann, Manuel Hipfel und Ulrike Marettek) beschreibt allgemeinverständlich die Aspekte einer gesunden, teamerhaltenden Führungsarbeit am Arbeitsplatz und im Ehrenamt. Anders als in anderen Führungsbüchern werden dabei auch die Grundsätze einer rechtzeitigen Konfliktintervention praxisnah mit Beispielen erläutert und zugleich der Stand der Konfliktforschung soweit möglich rezipiert. Anhand von lebensechten Fallstudien aus Beruf und Ehrenamt werden praktische Lösungsansätze für komplexe Konflikte und die zugehörigen Führungsprobleme entwickelt. Eine inspirierende und zugleich unterhaltsame Lektüre durch Storytelling.

Unterstützt wurde das FIDES-Autorenteam von 2 Illustratorinnen (Lisa Bickelmann und Lydia Hipfel).

robert (jpeg) Robert hat als Abteilungsleiter Automotive verschiedene Konflikte um Teamleiter und Vorgesetzte zu bewältigen (Marettek 2017, Wege zu gelingender Führung S. 18)

Zentrales Thema ist immer wieder: Wie kann Achtsamkeit und Wertschätzung im Alltagsstress tatsächlich gelingen? 

Eng damit verbunden ist die Burnout-Prophylaxe, die FIDES als eine der zentralen gesellschaftlichen Herausforderungen begreift. Es gehört zu den wenig bekannten Tatsachen an deutschen Schreibtischen bzw. Werkbänken, dass gelebte Achtsamkeit und Wertschätzung durchaus erhebliche positive Veränderungen bewirken könnten – ganz bestimmt, ohne den Leistungsgedanken zu relativieren. Vielmehr liegt es eigentlich im Eigeninteresse jedes Unternehmens, dass die hohen Folgekosten von Zusammenbrüchen vermieden werden.

Leider sind diese Grundsätze zwar in Literatur und Sonntagsreden der obersten Führungsebene bekannt – nicht aber im Alltagsstress des mittleren Managements (z.B. Team- und Abteilungsleiter)! Was man in der betrieblichen Praxis dagegen machen könnte, wird ausführlich im Buch thematisiert.

Mit guter Resonanz übrigens: Ein Redakteur hat sich zum Buch so geäußert: „Das Buch ist wirklich allgemeinverständlich und beinhaltet zahlreiche alltagstaugliche Hinweise. man kann gar nicht aufhören es zu lesen – wenn man sieht, wie unsere Gesellschaft durch gute Führung tatsächlich profitieren könnte.“ Andere Leser haben dem Buch bescheinigt, dass „im Kerne eine seltene Weisheit“ gelehrt werde bzw. „dass es die Erkenntnisse der psychologischen Managementforschung zutreffend und praxisnah“ zusammenfasse.

Zusammenfassung der Ergebnisse: Wie starke Teams gebildet und erhalten werden können

Hierzu hat die Sportforschung übrigens entscheidende Beiträge geleistet: dass Führung notwendig ist und die Persönlichkeitsentwicklung der Einzelnen positiv unterstützen kann und sollte.

Was bei einem Bundesligaklub Allgemeingut ist, existiert im Bewusstsein des mittleren Managements noch zu wenig: Konstruktive Führung des/der Teams zu einer überdurchschnittlichen Leistungsfähigkeit sowie Konfliktverhinderung und -bewältigung sind zentrale Aufgaben der Team- und Abteilungsleiter.

Fazit: vor allem wenn die Gemeinschaft im Team konstruktiv gelebt wird und die Führungspersönlichkeiten erkennbar das Beste für die Gemeinschaft anstreben und für die Gemeinschaft und jedes Mitglied angemessen kämpfen, wird Führung positiv erlebt.

Weitere Ergebnisse des Führungsbuchs aus gesellschaftlicher Sicht:

  • Fehlende Achtsamkeit im Führungshandeln dürfte das größte Hindernis sein (sowohl um die Innovationskraft eines Teams zu stärken, als auch um z.B. die Burnout-Häufigkeit mit ihren immensen gesellschaftlichen Kosten endlich wirksamer zu begrenzen)
  • Die hierfür erforderliche veränderte Blickrichtung auf den einzelnen Kollegen gelingt im Führungsstress nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen.
  • Das Wissen um gute Führungsarbeit, die von den Betroffenen als positiv erlebt wird (sowas gibt es!) muss demokratisiert werden, weil es jede(n) angeht.
  • Fast jedes Mitglied unserer Gesellschaft kann davon persönlich profitieren, wenn es gelingt, sich selbst und andere besser zu führen.
  • Wertschätzung praktisch: Eine reife Berücksichtigung der menschlichen Bedürfnisse in der konkreten Führungsarbeit ist auch in der Leistungsgesellschaft möglich.
  • Gymnasien und Hochschulen sollten viel fundierter ausbilden, wie eine hilfreiche Arbeits– und Führungskompetenz entstehen kann.

Die Bedürfnisse „seiner Leute“ zu erkennen – und trotzdem (gerade deshalb) eine überdurchschnittlich hohe Teamleistung zu erreichen – das muss natürlich auch sorgfältig gelehrt und trainiert werden. Hierzu bieten wir bevorzugt Inhouse-Seminare unserer FIDES-Akademie an, die flexibel an die Bedürfnisse der jeweiligen Organisation angepasst werden.

Am 30.07.2017 um 09:04 bis 10:00 Uhr (SR 2 Kulturradio) wurden Ulrike und Dr. Christian Marettek zu dem oben genannten Buch „Wege zu gelingender Führung“ interviewt in der traditionsreichen SR-Sendung „Fragen an den Autor“. Die angeregte Diskussion mit den Hörern umfasste auch die aktuelle Führungsproblematik der deutschen Automobilindustrie hinsichtlich des „Dieselgates“.


Führungsarbeit als wissenschaftlicher Forschungsgegenstand

Bei der Analyse des Führungshandelns des öffentlichen Managements kommt es nach Überzeugung von FIDES besonders auf die Qualität der psychologischen Fundierung an – was mit den Begriffen „Führungsarbeit“ bzw. „Führungshandeln“ verstanden wird. Daher wird schon an dieser Stelle klargestellt, dass hier keine Übertragung der weitverbreiteten Ansätze des New Public Managements (NPM) angestrebt wird. Vielmehr werden die NPM-Ansätze, die sich in Teilen als psychologisch nicht fundiert genug erwiesen haben,durch ein phänomenologisches Verständnis des Begriffs „öffentliches Management“ ersetzt. (Vgl. Marettek 2016,  Steuerungsprobleme großer Universitäten in Zeiten der Exzellenzinitiative, S. 29f.).
Die Begriffe „Führungsarbeit“, „Führungshandeln“ und „Management“ werden dabei synonym verwendet, um das empirisch feststellbare Phänomen des öffentlichen Managements (= das, was z. B. Finanzstaatssekretäre tun) zu beschreiben.

Das, was öffentliche Führungskräfte tun – also die tatsächliche Praxis –, ist der Forschungsgegenstand; in der Sprachwelt der Managementlehre verwendet man den Begriff „Steuerungsprobleme“. Die hier verfolgte Forschungskonzeption ist damit vom philosophischen Pragmatismus geprägt, wie er in den letzten Jahrzehnten immer stärker die empirischen Sozialwissenschaften geprägt hat.

Mehr zur Frage Warum Demokratieforschung?

Philosophischer Pragmatismus als wissenschaftstheoretische Basis

Zum Pragmatismus vgl. als wichtige Ursprungstexte John Dewey, A Common Faith, Based on the Terry Lectures delivered at Yale University, 1859–1952, Reprint New Haven and London 1991. und Charles Sanders Peirce, Vorlesungen über Pragmatismus, Hamburg 1991. Zur Übertragung des Pragmatismus auf die Betriebswirtschaftslehre vgl. Georg Schreyögg, Entwicklung der Betriebswirtschaftslehre: zwischen Integration und Zerfall, in: Zukunftsperspektiven der Betriebswirtschaftslehre, 75 Jahre Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaftslehre e. V., hg. von Clemens Börsig und Norbert Herzig, Köln 2007, S. 18.

Auch wenn die praktische Handlungswelt eines Finanzstaatssekretärs z.B. als Forschungsgegenstand natürlich hochkomplex ist (und komplexer ist als die der wissenschaftlichen Aussagensysteme), sollte gute Forschung unseres Erachtens trotzdem versuchen, der praktischen Realität so weit wie möglich ideologiefrei gerecht zu werden.