FIDES

Als wissenschaftlicher Leiter bzw. Schriftführerin von FIDES e.V. freuen wir uns über Ihr Interesse! (Foto: Dr. Christian und Ulrike Marettek)

Aktuelles (03.08.2020)

Nach der Bearbeitung der Grundsatzfragen in den vergangenen 5 Jahren konzentriert sich derzeit unsere Arbeit auf folgendes Projekt, in dem frühere Arbeiten fortgesetzt werden:

  • Wie kann in einer Region wie dem Saarland der durch die Digitalisierung bedingte Technologiewandel durch optimale Wirtschafts- und Wissenschaftsförderung gelingen? (Projekt 0434 „Was forscht das Saarland?“ – das Projekt befindet sich derzeit in der Abstimmung, insbesondere mit der IHK Saarland)
  • Welche Möglichkeiten haben Politik, Hochschulen und Wirtschaft, trotz wenig Geld, erfolgversprechend konzertiert vorzugehen?

Auch kleinere Standorte wie das Saarland (oder die Westpfalz) müssen sich im Rahmen der digitalen Revolution alle 10 Jahre neu erfinden.

Für Ende 2020/Anfang 2021 planen wir eine Veröffentlichung von etwa 120-150 Seiten unter dem Titel „Hightech-Strategie für das Saarland und die Westpfalz“. Es ist faszinierend zu sehen, wie die beiden benachbarten Regionen mit denselben Problemen kämpfen und eine konzertierte Aktion u.U. durchaus zweckmäßig wäre.

Saarland: Vor allem weil die derzeitige industrielle Hauptbranche Automotive – die bisherigen Hauptwerke sind die für ZF-Automatikgetriebe in Saarbrücken und das Werk des Ford Focus in Saarlouis samt vieler Zulieferer – bislang leider auf Autos mit Verbrennungsmotoren fokussiert sind! Das Saarland hat den Strukturwandel aus der Kohle-Zeit gerade erfolgreich bewältigt, schon ist ein erneuter Wandel erforderlich.

Dabei hat der langjährige Exzellenzcluster Informatik an der Universität des Saarlandes zwar brilliante Grundlagenforschung, leider aber kaum Arbeitsplätze ins Saarland gebracht!

Welche Profilierung passt künftig zum Standort?

Wie können sich engagierte Bürger zugunsten der Standortpolitik optimal einbringen?

Können Bürgerräte, die zur Demokratiereform diskutiert werden, unter Umständen (wenn sie zur Verschwiegenheit verpflichtet werden und mit allen Experten und Akteuren Hintergrundgespräche führen können) bei der Erneuerung der Standortpolitik helfen (Ziel aus Sicht der Demokratieforschung)? Hier dazu mehr.

Rückblick 2019

In einer Studie (Christian Marettek 2019, Was braucht Deutschland? Wie soll es mit Europa weitergehen?) wurde rechtzeitig zu den Wahlen zum EU-Parlament überlegt, wie die EU in der deutschen und europäischen Bevölkerung wieder mehr Vertrauen bekommen könnte und was Deutschland als größtes Mitgliedsland dazu beitragen könnte.

Wir haben zunächst erläutert, durch welche Verhaltensmuster die Groko-Parteien 2017/2018 Vertrauen verspielt haben, welche Ursachen leicht abgestellt werden könnten, welcher sachpolitischer Reformstau existiert und wie damit demokratiekonform umgegangen werden könnte.

Am Beispiel der drängenden europapolitischen Fragen wird  dann gezeigt, wie eine integrierende Strategie aufgebaut werden kann (politisch, administrativ und kommunikativ), die den sachpolitischen Reformstau beseitigt. Im Wege einer maßvollen demokratischen Erneuerung kann Vertrauen der Bürger zurückgewonnen und das Werk der europäischen Einigung gesichert werden.

Europa benötigt nach unserer Auffassung vor allem realistische Umsetzungsstrategien, damit

  • die Euro-Währungsunion so verändert wird, dass die verfassungsrechtlichen Probleme demokratiekonform gelöst werden, ohne dass es zu untragbaren Transferzahlungen kommt und auch mögliche Ausstiegsszenarien erarbeitet werden
  • die EU-Agrarpolitik (umfasst den überwiegenden Teil des EU-Haushalts) so reformiert wird, dass mit weniger Bürokratieaufwand und einer spürbar umweltgerechteren Umsetzung die Bauern weiterhin wirksam unterstützt werden und
  • insgesamt aus Sicht der Bürger das Gesamtsystem im Hinblick auf Bürgernähe und offenkundige demokratiebezogene Defizite spürbar reformiert werden sollte.

Am Beispiel der EU-Politik zeigt FIDES, dass es um eine maßvolle, psychologisch angemessene Demokratiereform gehen muss. Plebiszite (direkte Demokratie) kommen nur unter bestimmten Voraussetzungen in Frage. Der Ansatz der deliberativen Demokratieforschung muss weiter diskutiert werden: repräsentativ ausgewählte Bürgerräte können unter Zuhilfenahme aller Fachkenntnisse durchaus in die Lage versetzt werden, gute und weiterführende Vorschläge zu machen, wobei die Integration in die Verfassungswirklichkeit noch völlig offen ist.

Die politische Diskussion in unserem Land 2019 hat die Stoßrichtung unserer Zwischenergebnisse in erstaunlich vielen Punkten bestätigt, hier sei nur auf das bundesweit beachtete Leipziger Experiment eines solchen Bürgerrats verwiesen; über die dortigen Vorschläge war sogar der Präsident des Bundestages beeindruckt.

Die bisherige Forschung von FIDES e.V. seit 2015 hat übrigens zusammenfassend und übergreifend ergeben, dass auf allen Ebenen der Gesellschaft mit einer verbesserten Führungskultur – z.B. einem ehrlichen Dialog zwischen Spitzenpolitikern und den interessierten Bürgern –  schon viel erreicht werden könnte. Dazu braucht die Verfassung nicht geändert werden!

Die interessierten Bürger entwickeln durchaus ein gewisses Vertrauen zu den repräsentativ gewählten Spitzenpolitikern (oder eben nicht!) – ein empirisch feststellbares Phänomen, dass bislang den Meinungsforschungsinstituten und der Presse überlassen wurde – aber kaum wissenschaftlich betrachtet wurde.

Nach unseren bisherigen Forschungsergebnissen gibt es im Grunde kaum wesentliche Unterschiede z.B. zwischen

  • dem Beziehungsphänomen „Spitzenpolitiker im Verhältnis zum interessierten Bürger“
  • dem Beziehungsphänomen „Vorstand eines gewerblichen Konzerns (z.B. VW) im Verhältnis zum engagierten Facharbeiter“.

In beiden Fällen lassen sich durch empirische Befragungen Vertrauensverluste feststellen und umgekehrt auch Strategien zur Vertrauensgewinnung entwickeln. Glaubwürdigkeit ist durch nichts zu ersetzen.

Vereinfachend zusammengefasst: während die Konzerne regelmäßig viel Geld ausgeben, um die Unternehmenskultur in Richtung auf Zusammenhalt der Belegschaft, Compliance oder Innovationen weiterzuentwickeln, gibt es in Deutschland viel zu wenig entsprechende Forschung zur Weiterentwicklung der Demokratie. Also unser vorläufiges Fazit:

die Führungsarbeit der Bundes-/ Landesregierungen und der EU-Kommission sollte viel sorgfältiger bürger- und sachorientiert ausgerichtet werden! Ebenso wie die Führungskultur in den großen öffentlichen Einrichtungen wie Hochschulen und Ministerien.


Christian Marettek 2017, Wege zu gelingender Führung

Von links die 4 Autoren Manuel Hipfel, Christian Marettek, Ulrike Marettek und Dietrich Bickelmann.

Eine Kurzzusammenfassung der Ergebnisse aus gesellschaftlicher Sicht finden Sie hier.

Über dieses Buch gab es ein Interview beim SR2-Kulturradio in der Sendung „Fragen an den Autor“. Die Aufnahme gibt es hier.

Das Buch kann hier bestellt werden: Buchveröffentlichung.