Von Dr. Christian Marettek (Stand 28.02.2026)
Im Rahmen des Sondierungsprojekts „Heilung der zerbrochenen Familie Abrahams?“ von FIDES e.V. wurde in einem vierjährigen interreligiösen Dialog zwischen engagierten Christen und Muslimen erarbeitet,
- warum wir auch im 21. Jahrhundert ernsthaft an Gott glauben wollen, ausdrücklich in Ehrfurcht und Demut vor Gott, was uns allen wichtig ist,
- uns vergewissern, was Gott von uns will, wie wir den Glauben im Alltag leben, in Beruf und Familie,
- welche theologische Gemeinsamkeiten bestehen,
- wie wir trotz weiter bestehender theologischer Unterschiede in gegenseitigem Respekt und sogar freundschaftlich zusammen arbeiten können,
- wie wir uns gemäß dem Grundgesetz gemeinsam für unsere Demokratie einsetzen können.
Aus der Projekt-Dokumentation (Stand Sommer 2025) fassen wir im Folgenden die wichtigsten „Lessons Learnt“ zusammen.
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Unsere wichtigsten Spielregeln: Der Bibeltext wird immer von einem Christen vorgestellt, während der Korantext stets von einem Muslim präsentiert wird.
Eventuelle Kommentierungen sollten immer mit gegenseitigen Respekt erfolgen und sich möglichst nie auf dogmatische Fragen beziehen, sondern auf das was es für die einzelnen Gläubigen bedeutet.
Das Ganze funktioniert solange, wie wir einander als Gläubige unterschiedlicher Prägungen wirklich „stehen lassen“: Wir wollen keine Vermischung der Religionen, sondern gemeinsame Werte identifizieren, die wir gemeinsam in die Gesellschaft bringen wollen.
Das Grundgesetz eignet sich vorzüglich als Rahmen der Dialogarbeit, weil die Präambel einen klaren und zugleich allgemein gehaltenen Bezug „in Verantwortung vor Gott“ formuliert.
Beispielsweise hatten wir am 22.07.2023 die biblische Geschichte um Abraham (Ibrahim) mit Hagar und Ismael betrachtet (vorgestellt von Christian Marettek). Beim folgenden Treffen am 07.08..2023 wurde der Korantext zur Schöpfung von Ibrahim präsentiert. Zu diesen exemplarisch vorgestellten Treffen:
- Stellung von Adam/ Adem in Bibel und Koran und was es für unseren Alltag bedeutet
- Bedeutung von Abraham/ Ibrahim in Bibel und Koran
Auf diese Art und Weise sind wir in drei Jahren erstaunlich weit gekommen und es wurden bei viel gutem Essen Freundschaften geschlossen. Fast alle Beteiligte der Anfangsphase sind immer noch dabei. Mehr noch: viele von uns sind sogar in den ihrem jeweiligen Glauben gestärkt.
Wir treffen uns immer noch einmal pro Monat und überlegen derzeit (Anfang 2026), ob wir ein wissenschaftlich begleitetes Projekt starten wollen, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede das Familienleben engagierter Christen und Muslime prägt und wie unsere Familien auch in Zeiten der Sozialen Medien noch ein Ort von gegenseitiger Annahme und Geborgenheit sein können.
- Wichtig: Wir sind keine professionellen Theologen – aber darauf kommt es auch nicht an, weil wir uns am Ende ja für die demokratische Gesellschaft engagieren wollen! Wichtig ist, welche Glaubensüberzeugungen im Alltag der engagierten Bürger – also bei uns an der Basis – wirksam angekommen sind.
- Wir sind davon überzeugt, dass engagierte Christen und engagierte Muslime mehr verbindet als allgemein gedacht – und mehr als mit der übrigen Bevölkerung, die häufig weder Ehrfurcht vor Gott kennt und deren Familienleben meist häufig nicht mehr von echter Liebe geprägt ist (wie Gott es will).
- Angesichts der bisweilen aufgeheizten gesellschaftlichen Atmosphäre sind wir davon überzeugt, dass sich Gott über „Menschen des Friedens“ freut, die die theologischen Unterschiede zwar durchaus sehen, aber doch nicht in den Vordergrund der Arbeit stellen.
- Alle in unserer Gesellschaft lebenden Menschen sollten sich geachtet und wertgeschätzt fühlen, dass niemand sich als bedrängt bzw. benachteiligt fühlt (Bürger zweiter oder gar dritter Klasse). Dabei gibt es nur eine Bedingung: uneingeschränkte Gewaltlosigkeit.
- Zum grundsätzlichen Umgang mit radikalen Tendenzen und populistischen Strömungen aus christlicher Sicht, siehe hier.
Die unterschiedlichen Religionen, Bekenntnisse und Frömmigkeitsformen darf man nach unserer Überzeugung nicht vermischen, weil dann die Treue der Einzelnen zerstört wird und am Ende nichts Gutes entstehen dürfte. Vielmehr sollten gerade alle Fromme unseres Landes – egal ob Christen, Moslems oder Juden – einen wohlwollenden gegenseitigen Respekt vorleben, damit die übrigen Bevölkerungsanteile der Ungläubigen sehen können, wie positiv es für Familie und Gesellschaft ist, Gott treu zu bleiben.
Interreligiöser Dialog im Geiste des Grundgesetzes:
Bibel und Koran neu verstehen
Faszinierend ist sicherlich auch, dass unser Grundgesetz (Verfassung der Bundesrepublik Deutschland) in seiner Präambel und den ersten Artikeln auf Gott und seine Werte Bezug nimmt:
Präambel
Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen, von dem Willen beseelt, als gleichberechtigtes Glied in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt zu dienen, hat sich das Deutsche Volk kraft seiner verfassungsgebenden Gewalt dieses Grundgesetz gegeben.
Artikel 1
(1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.
(2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.
(3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.
Artikel 2
(1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.
(2) Jeder hat das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. In diese Rechte darf nur auf Grund eines Gesetzes eingegriffen werden.
Artikel 3
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Artikel 4
(1) Die Freiheit des Glaubens, des Gewissens und die Freiheit des religiösen und weltanschaulichen Bekenntnisses sind unverletzlich.
(2) Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
(3) Niemand darf gegen sein Gewissen zum Kriegsdienst mit der Waffe gezwungen werden. Das Nähere regelt ein Bundesgesetz.
Artikel 6
(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft….
Neues Forschungsprojekt: Wege zu gelingendem Familienleben
Seit Ende 2025 bereitet sich unser Interreligiöser Gesprächskreis auf ein gemeinnütziges wiss. Projekt vor, in dem ausgewählte reale Familienprobleme der Menschen in Deutschland dahingehend analysiert werden soll,
- wie würde die etablierte Psychologie als Wissenschaft sowie die institutionalisierte Jugendhilfe das Problem bearbeiten
- wie würden die traditionellen christlichen und muslimischen Lehren zur Familie vorgehen und was dazu zu beachten ist.
Methodisch gehen wir so wie bei dem Vorgängerprojekt zur Führungsforschung vor, dass wir zunächst die erlebten Probleme anonymisieren und dann von drei Beispielfamilien erleben lassen. Dadurch können komplexe Probleme praxisnah vom Projektteam diskutiert werden.
Die wissenschaftliche Begleitung erfolgt auf dieser Projektseite im Hintergrund, so dass jede/ jeder die Diskussion transparent nachvollziehen können. Die Projektergebnisse sollen später auch in den Social Medias diskutiert werden.
Die benötigten wissenschaftlichen Hintergrundinfos werden im Folgenden zusammengefasst.
Das auf Erikson zurück gehende Konzept der Entwicklungspsychologie ist dabei der Startpunkt und wir fokussieren uns auf die Phase der Adoleszenz
Die innerfamiliären Probleme werden mit derselben Methodik transparent gemacht, die im bereits im Buch Christian Marettek, 2017 Wege zu gelingender Führung S.141ff., 160 u. 170, aus den Bedürfnissen jedes Menschen nach Bedeutung, Sinn, Vertrauen, Gemeinschaft usw. abgeleitet und zur Erklärung von (Führungs-)Problemen verwendet wurden. Auch in der familiären Situation besitzt jedes Individuum – Kinder wie Eltern – dieselben existentiellen Bedürfnisse, deren Nichterfüllung zu Verletzungen führen kann:
Beispiel: Vater Robert mit Sohn Sebastian
Zu den grundsätzlich vorhandenen Bedürfnissen jedes Menschen gemäß der „positiven Psychologie“ siehe ausführlich hier.
Für das Jahr 2026 ist eine problembezogene Fallstudie Heranwachsende und junge Erwachsene in Vorbereitung. Drei Beispielfamilien müssen im Grunde dieselben Probleme lösen. Die eine Beispielfamilie glaubt nur an Wissenschaft aber nicht an Gott, während die zweite eine christliche Familie und die dritte eine muslimische Familie ist.
Die Methodik stellt sicher, dass auch existenzielle Probleme sowohl humorvoll wie tiefschürfend durch die Projektgruppe erörtert werden können.
Anschließend wollen wir zum selben Thema ein öffentlich gefördertes Folgeprojekt durchführen, in dem zusammen mit mit interessierten Schulklassen und Lehrern ein netzbasiertes Angebot für die jungen Menschen selbst (beispielsweise zur Identitätsfindung für 16-18 Jährige) angedacht ist.
Dazu ist die Gründung eines überregional aufgestellten, gemeinnützigen Vereins geplant mit dem voraussichtlichen Namen „Abraham-Forum für demokratische Erneuerung“.
Hier der Entwurf der Satzung_abraham. Wenn alles gut geht, haben wir Ende 2026 ein Forum, das allen an Gott glaubenden Laien offensteht und der nach dem Konzept des Bürgerrats zu bestimmten gesellschaftlichen Herausforderungen Projekte durchführt, um hochwertige Diskussionsbeiträge zu erarbeiten. Zum Beispiel dazu, wie starke lebendige Familien gelebt werden können sowie wie der Glaube an Gott dabei helfen kann.
Oberstes Ziel bleibt: in unserer Demokratie die Präambel des Grundgesetzes „In Verantwortung vor Gott und den Menschen“ mit neuem Leben zu erfüllen und da – wo „der Schuh drückt“ – nach Möglichkeit gesellschaftliche Erneuerungsprozesse anzustoßen.

