Was glauben die Menschen in Deutschland?

Religionen in Deutschland (Auszug aus Wikipedia, abgerufen am 16.05.2026)

Der Anteil der Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik Deutschland hat sich in den letzten fünfzig Jahren von über 90 % auf 45 % halbiert, während sich der Anteil der konfessionsfreie von unter fünf auf 46,8 % verzehnfacht hat.[1][2]

Der Anteil der größten Einzelgruppe, der Konfessionslosen, lag zum Jahresende 2023 bei 46,2 %[3] und Jahresende 2024 bei 47 %.[4] Die römisch-katholische Kirche hatte Ende 2023 rund 20,3 Millionen Mitglieder (24,0 % der Gesamtbevölkerung), die evangelischen Kirchen der EKD hatten zusammen Ende 2023 rund 18,6 Millionen Mitglieder (21,9 %). Die beiden großen Kirchen in Deutschland haben im Jahr 2024 zusammen mehr als eine Million Mitglieder verloren. Die Zahl der Mitglieder in der katholischen Kirche sank 2024 weiter auf 19,77 Millionen; in der evangelischen Kirche sank die Mitgliederzahl auf 17,98 Millionen.[5]

Insgesamt gehörten Ende 2025 43,8 % der Deutschen einer der beiden großen Kirchen in Deutschland an.[6] Ende 2023 gab es erstmals genauso viele konfessionslose Menschen (ca. 46 %) wie römisch-katholische und evangelische Kirchenmitglieder zusammengenommen (24 bzw. 22 %). Zählt man Orthodoxe und Mitglieder anderer christlicher Gemeinschaften dazu, lag der Anteil der Christen 2023 bei zirka 48 %[7], 2020 hatte er noch 54 % betragen.[8] Die Glaubenspraxis in Deutschland im Jahr 2023: Religiös aktiv sind noch rund fünf Prozent der Bevölkerung (und aller Religionen), die als „praktizierende Gläubige“ zu betrachten sind.[2] Von 100 Bundesbürgern nehmen 95 nicht an Gottesdiensten teil, 5 von ihnen besuchen regelmäßig eine Kirche, Moschee oder Synagoge. Die statistischen Kennzahlen können als eine Art Erosion des Glaubens verstanden werden.

Die Zahl der Muslime mit Migrationshintergrund wurde für das Jahr 2019 zwischen 5,3 und 5,6 Millionen. geschätzt, was 6,3 bis 6,7 % der Gesamtbevölkerung entspricht.[9][10][11] Nach Recherchen des FoWiD gab es im Jahr 2023 3,2 Mio. (3,8 % der Bevölkerung) konfessionsgebundene Muslime.[12]

Ende des Zitats des Einleitungstexts aus der Wikipedia.

Vertiefende Analyse mit Mengenschätzung

Wir haben unter Verwendung der weiteren Zahlen der Wikipedia, zum Zweiten auch der Angaben der jeweiligen Glaubensgemeinschaften selbst ausgewertet und zum Dritten darüber hinausgehende Schätzungen Dritter berücksichtigt, um die in der Wikipedia beklagten Doppelzählungen zahlreicher Quellen möglichst zu eliminieren. Wie die Wikipedia zu Recht beklagt, werden gerade die hier interessierenden Daten Muslime nicht standesamtlich ermittelt. Vor allem die Zahl der Sunniten ist ein so heterogener Block, das man am Ende ohne eine derartige Schätzung kaum weiterkommt.

Nur so kann es gelingen, dass die Summen aller genannten Gläubigen tatsächlich der amtlich fortgeschriebenen Wohnbevölkerung in Deutschland von 83,5 Mio. (30.09.2025) entsprechen.

Wie die Tabelle zeigt, haben wir unter Verwendung der genannten Unterlagen eine Hochrechnung für Ende 2026 als vorläufige Schätzung erstellt, die im Vergleich zur Tabelle in der Wikipedia mit folgenden Annahmen rechnet:

  • Gemäß der Veröffentlichungen im Netz ist für die Großkirchen mit einer durchschnittlichen Abnahme von 3% p.a. zu rechnen.
  • Wegen des russischen Angriffs auf die Ukraine ist mit einem deutlich höheren Bestand an ukrainisch-orthodoxen Mitbürgerinnen und Mitbürger für Ende 2026 zu rechnen.
  • Die in der Wikimedia noch vorhandenen Doppelzählungen wurden soweit erkennbar eliminiert.
  • Die übrigen Angaben der Wikipedia (genauso wie die Gesamtzahl der Einwohner) wurden vereinfachend (mangels besserer Erkenntnisse) auch für Ende 2026 angenommen.

Die zusätzliche Spalte, wie stark die jeweiligen Mitglieder durch Gebet und Teilnahme an Gottesdiensten und ähnlichen religiösen Angeboten teilnehmen, basiert hauptsächlich auf der mittlerweile vorliegende Integrationsforschung des BAMF, die insoweit auch als Beitrag zur vergleichenden Religionsforschung bezeichnet werden kann.

Hintergrund: Nebeneinander von traditioneller und bekenntnisgebundener Zugehörigkeit

In dieser Spalte haben wir außerdem versucht, sowohl dem typisch deutschen Phänomen der (ehemaligen) „Landeskirchen“ gerecht zu werden wie den unterschiedlichen Graden religiöser bei den übrigen Glaubensgemeinschaften.

Die Römisch-katholische Kirche sowie die Evangelische Kirche in Deutschland, die in Deutschland jeweils aus mit den deutschen Ländern staatsrechtlich verbundenen Gliedkirchen bestehen, für die u.a. Kirchensteuern durch die staatlichen Finanzämter abgeführt werden, was ansonsten hauptsächlich von Jüdischen Gemeinden in Anspruch genommen wird. Fast alle anderen Glaubensgemeinschaften finanzieren sich auch in Deutschland hauptsächlich von Spenden der Anhänger.

Wenn man den Christen in Deutschland (statistisch dominieren immer noch die Mitglieder der Großkirchen) dieselben Fragen stellt wie den Muslimen – insbesondere ob sie sich als „stark gläubig“ oder „eher gläubig“ betrachten – ergibt sich folgendes Ergebnis:

BAMF-Forschungsbericht 38, Muslimisches leben in Deutschland, 2020, S.83, abgerufen am 18.05.2026)

Was heißt „stark gläubig“?

Warum liegt die Zahl der „stark gläubigen“ Christen ohne Migrationshintergrund nach der BAMF-Studie nur bei 13,7%, während in dieselben Personengruppe – wie wir gleich zeigen werden – doch 16,2% täglich beten (siehe im eben genannten BANF-Forschungsbericht 38 S.87):

Hier noch die korrespondierende Darstellung zum täglichen Gebet nach Herkunftsländern (ebenda S.88):

Wir formulieren hier eine Annahme: Der Begriff „stark gläubig“ kann in christlichen Kreisen missverstanden werden, weil ein Teil der als Erwachsene zum Glauben an Christus Gekommenen dies nicht als religiös versteht, sondern einfach als Nachfolge Jesu, die selbstverständlich in täglichen Gebet geschieht.

Daher erscheint es uns sinnvoll zu sein, eher auf tägliche Gebet als entscheidendes Merkmal abzustellen. Andererseits wissen wir doch, dass muslimische, jüdische oder gar Gebete von Zeugen Jehovas anders ablaufen als das christliche Gebet, das von inniger Liebesbeziehung und Vertrauen geprägt sein sollte. Für Zwecke der Bestandsaufnahme „Was glauben die Menschen in Deutschland“ muss unseres Erachtens festgestellt werden, dass Gottes Wirken in dieser Welt immer ein stückweit verborgen bleiben muss. Wir orientieren uns für Zwecke der groben religionsvergleichenden Schätzung nur insoweit am „täglichen Gebet“, als es um die traditionellen, früheren Staatskirchen geht (ohne Migration).

Fast genauso zentral wie das Gebet ist der Besuch von religiösen Veranstaltungen (BANF-Forschungsbericht 38, S.93):

Schließlich noch (ebenda S. 93) der wöchentliche Besuch religiöser Veranstaltungen nach Herkunftsländern: