Von Dr. Christian Marettek (Stand 15.04.2026)
Weltweite Unsicherheiten, Kriege auch in Europa, fördern natürlich Ängste
Nachdem der russische Angriffskrieg gegen das Nachbarland Ukraine schon vier Jahre ohne Endergebnis tobt, jetzt die USA und Israel bereits das zweite Mal innerhalb eines Jahres Teheran bombardieren und das Mullah-Regime die Straße von Hormuz geschlossen hat und die Benzin- und Dieselpreise auf über 2,50 Euro/l gestiegen sind, gibt es durchaus rationale Gründe für Zukunftsängste, Frust über die Ungerechtigkeiten der Politik. Hieraus ergeben sich verschärfte Forderungen, doch die Sanktionierung von Russischen Öl und Gas zu beenden, was im politischen Diskurs vor allem AfD, Die Linke und BSW fordern – auch wenn dadurch die russische Kriegskasse wieder stärker gefüllt wird. Derzeit fordert US-Präsident Trump, dass die NATO bzw. die Staaten, die die Straße von Hormuz nutzen, doch die Tanker militärisch schützen müssen.
In dieser Situation ist es schwierig, auf das geltende Völkerrecht bis hin zum UN-Sicherheitsrat zu verweisen oder auf die EU-Maßstäbe (z.B. die Kopenhagener Kriterien).
Wie sollten sich Gläubige in dieser aufgeheizten Situation verhalten, wo bisherige Sicherheiten wie das NATO-Bündnis scheinbar nicht mehr zu gelten und die AfD kurz vor der absoluten Mehrheit in Sachsen-Anhalt ist?
Christof Lenzen (GF und theolog. Leiter des Christlichen Hilfsbund im Orient) hat dazu im aktuellen Heft der Zeitschrift Movo 1/2026 vom 05.03.2026, S.25-27 einen vorzüglichen, biblisch begründeten Ratgeber verfasst, aus dem hier die wichtigsten Thesen zusammengefasst werden:
- Populismus lebt von Vereinfachung. Verantwortung braucht gerade Differenzierung: Jesus lehrt, dass auch der menschliche „Abschaum“ nicht als solcher bezeichnet werden darf und jeder Mensch vor Gott eine einzigartige Würde hat.
- Polarisierung ist emotional attraktiv, aber geistlich gefährlich. 1.Petr.5,8 mahnt zur Nüchternheit! Christen müssen sich selbst hinterfragen und ihre Position auch wenn nötig korrigieren.
- Stärke zeigt sich nicht im Lautsein, sondern in Selbstbeherrschung. Gal.5,22 fordert, dass wir Stärke mit Sanftmut, Selbstkontrolle und Respekt vor den Grenzen des Nächsten verbinden.
- Wahrheitssuche braucht Geduld und Zeit, was gerade für die konstruktive Überwindung von Konflikten gilt.
- Christliches Gewissen in Verantwortung vor Gott statt Gruppendruck
- Mensch mit Verantwortungsbereitschaft sollten Brückenbauer sein, anstatt Brandbeschleuniger.
- Hoffnung statt Angst als innerer Kompass
Zur AfD und wie sich diese Partei immer weiter nach rechts entwickelte, vgl. ausführlich Andreas Malessa, Als Christ die AfD unterstützen? Brendow-Verlag 2017.
Motiviert durch die insbesondere von Christof Lenzen klar herausgearbeitete Verantwortung, was Christsein in der Nachfolge Jesu – auch in der Politik – bedeuten sollte, schreibt Dr. Christian Marettek den folgenden Zwischenruf aus christlicher Sicht.
Mein vorläufiges Fazit in der Beurteilung der wichtigsten Konflikte
Als Maßstab möchte ich noch einmal wörtlich Gal.5,22 zitieren:
Die Frucht hingegen die der Geist Gottes hervorbringt, besteht in Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Rücksichtnahme und Selbstbeherrschung. Gal.5,22
Diejenigen die gemäß Johannes 1,12 Jesus aufnehmen, bekommen in der Gnade Gottes heiligen Geist und dadurch die genannten Früchte verheißen. Was bedeutet dies? Eine geduldige Wahrheitssuche ohne jede Verteufelung und Oberflächlichkeit – wie sie Lenzen zutreffend fordert – wie wir sie auch auf dieser Homepage demokratie-leben.org seit 2016 dokumentiert haben. Basierend hierauf ergeben sich folgende Thesen:
- Wir dürfen niemanden verteufeln – weder Trump noch Putin! Wir müssen reale Konfliktursachen identifizieren und immer faire Interessenausgleiche anstreben. FIDES e.V. hat bekanntlich viel von der psychologischen Führungs- und Konfliktforschung gelernt. Was bedeutet dies konkret im Frühjahr 2026?
- Iran: Trump und Israel verletzten zwar m.E. das Völkerrecht beim Angriff des Irans. Trotzdem wäre eine völkerrechtskonforme Intervention angesichts des offenkundigen Terrorregimes, das gerade mehrere zehntausende Regimegegner brutal ermordet hat, möglicherweise vor Gott zu rechtfertigen. Gerade wir Deutsche dürfen nicht wegschauen, wenn einfachste Bürgerrechte im Iran über viele Jahre – gerade im letzten halben Jahr – verletzt werden. Echte Hoffnung für unsere zusammenwachsende Welt verlangt nach meiner Überzeugung eigentlich eine Intervention im Auftrag des UN-Sicherheitsrats. Diese Erkenntnis relativiert zwar in gewisser Weise die völkerrechtliche Schuld von USA und Israel für den Iran-Angriff, verlangt aber jetzt eine klare Iran-Strategie, wobei wohl nur kurzfristige Exit-Strategien verantwortbar erscheinen, weil ohne Bodentruppen vieler Staaten wohl kein Regime-Wechsel gelingen kann (was zudem nur der UN-Sicherheitsrat autorisieren könnte). Eine kontinuierliche Demütigung der iranischen Führung ist – wenn sie über Jahre andauert – unrechtmäßig und zugleich töricht.
- USA: Wir dürfen die USA keinesfalls als wichtigsten Verbündeten und als demokratische Nation aufgeben! Christliche Überzeugungsarbeit unter Brüdern ist notwendig. Außerdem muss die EU endlich auch die erforderliche Aufrüstung vornehmen und insbesondere auch im Bereich der satellitengestützten Aufklärung unabhängiger von der USA werden, weil wir ansonsten Europa nicht ohne USA verteidigen können
- Putin: Wahrheitssuche bedeutet auch, die Ursachen des Ukrainekriegs nüchtern zu ermitteln. Nach meiner Überzeugung wurde die Euro-Maidan-Revolution in Kiew November 2013 bis Frühjahr 2014, wo Putins persönlicher Freund Janukowytsch am 21.02.2014 verjagt wurde, von Putin als Bedrohung für die eigene Herrscherexistenz erlebt. Im Rahmen des grundsätzlichen Selbstbestimmungsrecht der Ukraine hätte damals eine von der EU (OSZE) vermittelte Volksabstimmung in den östlichen, russischsprachigen Gebieten wahrscheinlich eine friedliche Gebietsabtrennung von Krim und Donbass ohne Krieg ermöglicht und damit einen politischen Erfolg und eine zusätzliche Sicherheit für die Herrscherexistenz von Putin erreichen können. Wenn Merkel und die EU damals einen derartigen Vorschlag gemacht hätten, hätten die Nationalisten in Kiew natürlich protestiert. Im Gegenzug hätte aber nicht nur der Krieg verhindert, sondern vor allem für die Rest-Ukraine eine unbestrittene West-Integration ausgehandelt werden können. Große Staatsmänner müssen bereit sein, auch unbequeme Wahrheiten gegenüber Freunden zu sagen und auch erkennen, wenn – wie hier Russland – eine Nation sich kontinuierlich seit 1989 als gedemütigt sieht. Gerade Deutschland hat erlebt, wie der Versailler Vertrag 1919 als ungerechte Demütigung erlebt wurde, was dann unmittelbar zum Aufstieg von Hitler führte. Trotzdem dürfen wir jetzt Kiew nicht im Stich lassen und jetzt endlich eine Verhandlungslösung schaffen.
- AfD: Auch diese Partei dürfen wir nicht verteufeln! Die von Jesus geforderte Achtung gilt auch für innenpolitische Feinde und auch dann wenn man die AfD wegen offenkundigem Rassismus und der törichten Remigrationsziele leidenschaftlich und zugleich argumentativ überzeugend ablehnt. Alle demographischen und ökonomischen Analysen zeigen, dass Deutschland die Zuwanderer dringend braucht um den Wohlstand zu erhalten und insbesondere das Gesundheitswesen sowie die Pflege älterer Menschen die Migranten benötigt. Allerdings müssen wir endlich die Zuwanderung ähnlich wie in Kanada an die in Deutschland benötigten Arbeitskräfte anpassen.
- Die Demokratische Erneuerung in Deutschland ist durch einen überparteilichen Diskussionsprozess unter Verwendung verschiedener Bürgerräte notwendig! FIDES deutet hier nur unsere bisherigen Reformvorschläge an, wie wir sie seit Gründung 2016 erarbeitet haben. Immerhin gibt es im Frühjahr 2026 aus mehreren Parteien, angestoßen Nouripour von den Grünen, endlich eine gewisse Hoffnung gibt, dass eine Entzerrung bzw. Zusammenlegung von Wahlterminen vielleicht doch noch umgesetzt wird, um die destruktiven Folgen des andauernden Wahlkampfs zu überwinden.
- Bundesländer: Wie in Österreich und der Schweiz sollte endlich eine wissenschaftliche Evaluation aller Landes- und Bundespolitiken als Staatsziel verankert werden, um die Bürgerzufriedenheit mit unserem Staat zu erhöhen. Aus der Sicht eines langgedienten Beraters öffentlicher Verwaltung ist immer wieder festzustellen, dass nach jeder Wahl – egal wer gewählt wird – die Ministerien neu zugeschnitten werden, was nur dazu führt, dass die Lerneffekte der vorangegangen Administration häufig verloren gehen. Außerdem kann dadurch aus wissenschaftlicher Sicht kaum jemand der tatsächlichen Erfolg der umgesetzten Politiken ermitteln, dies gilt sowohl wirkungsorientiert, als auch qualitativ und quantitativ. Die reale Verwaltungswissenschaft kann durch den heterogenen Föderalismus kaum fundierte Vergleiche erstellen und ist daher – anders als in Österreich und der Schweiz – kaum in der Lage, den Bürgern fundierte Hinweise zur Qualität der Politiken geben. Hierzu ist m.E. notwendig, dass wir unseren Föderalismus mit einheitlichen Ressortzuschnitten aller Landesministerien und der Bundesministerien etwas straffen. Vgl. ausführlich
