Von Dr. Christian und Ulrike Marettek
Vorbemerkung: es geht nicht um Gebote
Uns ist klar, dass in Deutschland die Zeiten vorbei sind, dass religiöse Institutionen den sich bildenden Paaren irgendein Verhalten vorschreiben. Dies bedauern wir als engagierte Christen keinesfalls, weil jede Verbindung von Religion und Macht nach unserer Überzeugung zwangsläufig in die Irre führen muss – und zwar im Ergebnis auch weg von Gott und weg von der an sich angestrebten partnerschaftlichen Liebe.
Diese Erkenntnis kann man einerseits historisch, andererseits theologisch belegen, weil Jesus gemäß der Bibel jede Gewalt abgelehnt hat:
- So z.B. die Stelle bei seiner Festnahme, wo er seinen Jünger korrigiert (der mit dem Schwert seine Festnahme verhindern wollte) mit den Worten: „Steck dein Schwert zurück! Wer das Schwert nimmt, wird durch das Schwert umkommen.“ Matthäus 26, 52
- Zum römischen Statthalter Pontius Pilatus sagte Jesus anschließend: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“.
- Die Kirche Jesu war und ist merkwürdiger Weise am Lebendigsten, wenn sie im Untergrund leben musste: das funktionierte erstaunlicher Weise im antiken Rom genauso, wie im kommunistischen China des 20. Jahrhunderts.
- Umgekehrt hat die katholische Kirche gerade durch die Kreuzzüge des Mittelalters umfangreiche Verletzungen im Verhältnis zum Islam verursacht, die bis heute nachwirken.
- Aber auch der Niedergang zahlreicher „Staatskirchen“ hängt nach unserer Analyse eng damit zusammen, dass Gott keine Gewalt von Menschen segnet. Hier haben wir dieses Thema vertieft.
- Dasselbe historische Muster, dass Gott, wenn man in seinem Namen Kriege führt, in den Untergang führen kann, weist auch der 2. Irak-Krieg von G.W. Bush auf (der sich als bewusster Christ präsentiert hat). Dieser Krieg wurde vor allem von den sunnitischen Irakern als ungerechte Demütigung erlebt, was unmittelbar zur Schreckensherrschaft des „Islamischen Staat“ geführt hat. Im Ergebnis sind rund 300000 Christen und etwa gleichviele Jesiden vertrieben worden, die seit der Antike im Irak gelebt haben.
Was wissen die meisten noch über den Glauben?
Wenn ein junges Paar in Deutschland aufwächst, dann hat es im Regelfall in der Schule und im Konfirmationsunterricht bzw. dem katholischen Äquivalent hauptsächlich die 10 Gebote, das Vaterunser und das Glaubensbekenntnis auswendig gelernt. Hierzu gehört auch das Gebot „Du sollst nicht die Ehe brechen“. Wenn die jungen Menschen sich ansonsten nicht vertiefend mit dem Glauben beschäftigt haben, kann der Eindruck entstehen, dass es wieder nur darum geht, irgendwelche alten Gebote einzuhalten, deren Grund in der Zeit der Pille unverständlich ist bzw. dass Gott uns den (sexuellen) Spaß verderben will.
Nach unserer Überzeugung will Gott jedoch für jedes junge Paar das Beste und dass die Ehe gelingt. Und er kann – wir haben es in 30 jähriger glücklicher Ehe erfahren – die entscheidenden Hilfen geben, wie es nur ER kann (die wir durchaus gebraucht haben und weiter brauchen). Um das zu verstehen, muss man tiefer in die Lehre Jesu schauen.
Jesus wurde wiederholt von den jüdischen Autoritäten mit dem Thema Ehebruch herausgefordert, weil er erkennbar auch die Frauen mit zweifelhaftem Ruf primär als liebesbedürftige Menschen angesehen hat, denen Gott – genauso wie allen anderen Menschen – helfen will: Dazu haben wir im interreligiösen Gesprächskreis insbesondere folgende Texte durchgearbeitet:
- das Gespräch mit der Samaritanerin am Brunnen (Johannes 4)
- Jesu Begegnung mit der auf frischer Tat ertappten Ehebrecherin in Johannes 8, wo die jüdischen Autoritäten Jesus herausforderten, weil auf Ehebruch gemäß dem Mosaischen Gesetz Tod durch Steinigung stand. Jesus sagt zu den jüdischen Ältesten: „Wer von euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“. Alle gingen nacheinander weg. Jesus sagt schließlich zur Frau: „Auch ich will dich nicht verurteilen. Sündige hinfort nicht mehr“.
Was kann man folgern? Offenbar ging es Jesus immer vorrangig um eine Erneuerung der Beziehung zu Gott – keinesfalls um ein Bestrafen.
Interessanter Weise wird über Mohammed eine ähnliche Situation aus den Hadithen berichtet, wo es dem Propheten gelang, die Bestrafung über Jahre hinauszuziehen.
Aber zurück zu einem jungen Paar, das sich ähnlich wie in den Fällen 6 bis 8 eine Beziehung aufbauen will.
Was empfiehlt die traditionelle christliche Lehre?
Für eine glückliche Ehe wird traditionell vor allem empfohlen, dass die Partnerin/ der Partner von seiner Persönlichkeit her ein echtes Gegenüber ist. Dies stellen wir anhand der Beispielfamilie von Robert und Jenny dadurch dar, dass praktisch alle Ebenen des Menschseins durch intensive (dicke) Pfeile und einen gegenseitigen Austausch geprägt werden. Das biblische Ideal geht davon, aus dass wenn die Partner einander erkennen ein neues großes Ganzes entsteht (graphisch dargestellt dass die Salutogenese von Robert und Jenny zu einer neuen Einheit zusammenwachsen und fast nichts mehr zwischen ihnen steht).

Als Merkmale, wann dieses „echte Gegenüber“ existiert, werden folgende Hinweise gegeben:
- Hinweis 1: ich kann mir die Person als Mutter/ Vater unser Kinder vorstellen
- Hinweis 2: ich kenne die Person so gut, dass eine freundschaftlich-zuverlässige Basis genauso wie eine sexuelle Mindestattraktivität existieren
- Hinweis 3: anders als in den Fällen 7 und 8, die hier als dominierende Formen der Partnerschaftsentstehung angesehen werden, sollte man erprobt haben, ob man gemeinsam kameradschaftlich auch große Probleme tatsächlich lösen kann.
- Hinweis 4: Hier bieten sich erfahrungsgemäß an: gemeinsame Übernahme von Verantwortung für christliche Studentenarbeit, die Durchführung von Pfadfinder-Lagern oder ähnliche Gruppen-Events der christlichen Jugendarbeit.
- Hinweis 5: Haben wir gleichgerichtete Lebensziele? Wenn zum Beispiel der potenzielle Partner sich mit Leidenschaft in einem Programm der christlichen Gastfreundschaft oder/ und in der christlichen Gemeinde einsetzt, wäre es nicht gut, wenn der andere Partner das ganz ablehnt.
In unserem interreligiösen Gesprächskreis wurde schnell klar, dass auch die muslimischen Mitglieder dieselbe traditionelle Lehre in ihren Kreisen kennen!
Gegenbeispiel analog zu Fall 8
Wenn man nicht erprobt hat, dass man tatsächlich zusammen auch schwierige Themen erfolgreich bewältigen konnte – zum Beispiel wenn man bislang nur eine sexuelle Fernbeziehung geführt hat, zeigen sich beide am Wochenende immer von der besten Seite.
Es fehlt allerdings die erprobte Alltagstauglichkeit der Beziehung, die auch dann nicht zerbrechen sollte, wenn große Belastungen existieren – wie zum Beispiel wenn die Kinder das Elternpaar bis zum Äußersten herausfordern.
Die Situation, wie sie Lukas im Deutschlandfunk Kultur schildert (Fall 8), kann in unserem Modell folgendermaßen dargestellt werden:

Die Beziehungspfeile werden mit jedem Misserfolg als Team immer dünner und grauer – wenn es dem Vater wiederholt nicht gelingt, die (eigenen und fremden) Erwartungen zu erfüllen, so wie Lukas im Fall (Deutschlandfunk Kultur) ehrlich und erschütternd berichtet. Wenn man sich anschreit – der Vater sich wieder mal als „5.Rad am Wagen“ fühlt und er im Leben von Tochter und Mutter immer weniger vorkommt.
Zwangsläufig kann man in einer solchen Kombination von durchwachten Nächten und geringer Bedeutung der eigenen Tätigkeiten (wegen der fehlenden Vorbereitung kann er nur nachrangige Hilfsarbeiten übernehmen) ausbrennen bis zum Burnout, so dass die Flucht raus aus der toxisch gewordenen Beziehung uneingeschränkt verständlich ist.
Wir wollen im Folgenden zeigen, wie eine derartige Katastrophe nach der christlichen Lehre weniger wahrscheinlich wird.
Zu diesem Zweck lauschen wir mal wieder dem psychologischen Fachsimplen unserer Geschwister Robert und Steffi (Psychologin), die sich regelmäßig Samstagabend gegen 21.00 Uhr im Wintergarten zwischen ihren beiden Häusern treffen, um mal wieder die Woche Revue passieren zu lassen.
Annahme: Steffi hatte gerade die beiden Podcasts in ARD-Sounds gehört, also unsere Fälle 7 und 8.
Steffi sagt: "Sowohl die beiden Helden von Fall 7 (Bayrischer Rundfunk) als auch Lukas im Fall 8 (DLF Kultur) haben doch alles gemacht, was sie tun konnten. Eigentlich vorbildlich. Ich weiß, dass du es als Christ möglicherweise etwas anders siehst. Mich interessiert noch mal deine Sicht."

Robert, der bekanntlich auch nicht christlich erzogen wurde und erst während des Studiums durch seine heutige Frau Christ wurde, kann daher beide Seiten gut verstehen. Er erläutert zunächst, dass die genannten Personen der Fälle 7 und 8 im Rahmen der herrschenden gesellschaftlichen Maßstäbe alles menschlich Mögliche getan haben.
Robert: "Wir sollten allen drei Protagonisten dankbar sein, dass sie so ehrlich und tiefschürfend in ARD Sounds über ganz persönliche Dinge geredet haben! Mir fällt es etwas schwer, den christlichen Gegenentwurf dagegen vorzustellen. Die Drei in den Podcasts will ich auf keinen Fall abwerten!"
Nachdem Steffi nicht locker lässt, erklärt Robert den abweichenden Ansatz der christlichen Psychologie, so wie er es in der christlichen Jugendarbeit selbst kennengelernt hat.
Robert: "Der Unterschied liegt darin, ob und wie man sich systematisch auf eine christliche Ehe vorbereitet.
In der christlichen Psychologie wird empfohlen, dass man nach dem beidseitigen Sich-Verlieben dieses Ereignis als Beginn einer Befreundungszeit feiert, die aber auch als ehrliche Prüfungszeit angesehen wird, in der beide Partner sorgfältig erarbeiten sollten, ob die/der andere tatsächlich dieses "echte Gegenüber" ist, wie sich nach unserem Glauben Gott eine christliche Ehe vorstellt. Diese Befreundungszeit dauert nach Wahl der Partner einige Monate und wird traditionell mit dem Heiratsantrag (= Feier der Verlobung) abgeschlossen.
In der gesamten Zeit bis zur Hochzeit wird also die tatsächliche Beziehungsfähigkeit erprobt, was erfahrungsgemäß nur gelingt, wenn man die sexuelle Vereinigung bis zur Hochzeit aufschiebt. Einfach, weil die Hormone sonst alles dominieren (bis der berühmten Gewöhnungsfaktor nach 5-7 Jahren eintritt). Überspitzt gesagt: die christlichen Paare trainieren in diesen Monaten ihre Beziehungsfähigkeit, während die Übrigen vor allem die Sexualität leben."
Worum geht es in der Zeit der Befreundung gemäß der christlichen Psychologie?
Nach der biblischen Lehre hat Gott die Ehe und die darin eingebettete Sexualität als etwas ganz Tolles und Großes geschaffen. Dementsprechend empfiehlt er uns als die von ihm wirklich geliebten Menschen, dass wir diese wichtige Beziehung sorgfältig vorbereiten und Halbheiten in eigenem Interesse vermeiden. Gott will am Ende starke christliche Familien schaffen, wo jeder für den anderen eintritt, denen am Ende sowohl das weltliche Engagement wie die Weitergabe der guten Botschaft anvertraut wird – unseres Erachtens mehr, als es in den in Deutschland mittlerweile häufigen „Patchwork-Familien“ möglich ist.
Die angehenden Partner sind eingeladen sorgfältig zu prüfen (Work in Progress)
- kann ich Vertrauen?
- erlebe ich im Zusammensein eine Kraft schenkende Verbindung,
- echte Gemeinschaft, schon durch einfache Gespräche und gewisse Zärtlichkeiten, aber ohne Geschlechtsverkehr
- Können wir schwierige Situation erfolgreich bewältigen?
- Wie sehen unsere Familien und Freundeskreise unsere Beziehung?
Wie ist das mit Sex vor der Ehe?
Nach der traditionellen christlichen Lehre wird von Sex außerhalb der Ehe abgeraten, weil es andernfalls ganz natürlich ist, dass die Sexualität zunächst so dominant wird, dass der eigentliche Beziehungsaufbau zwangsläufig häufig zu kurz kommt. Zur Erinnerung: Wir wollen hier überzeugen und nicht irgendwelche Gebote verkünden! Bei vorehelichem Sex kommt der übliche Gewöhnungseffekt nach sechs bis sieben Jahren, so dass im „verflixten 7. Jahr“ gar nicht so selten eine Paartherapie benötigt wird, damit die eigentlich erforderliche Beziehungsarbeit nachgeholt werden kann.
Nach christlicher Lehre ist es tatsächlich so, dass zunächst eine tiefe Freundschaft mit ergänzenden Zärtlichkeiten entwickelt werden sollte und die sexuelle Vereinigung erst nach der Eheschließung empfohlen wird. Dies ist auch deshalb wichtig, weil das zärtliche Gegenüber unsere leidenschaftlich Neugierde und unbedingtes Committment verlangt. Der Wert jedes Menschen ist so viel größer und verdient das geschenkte Vertrauen, dass nicht alles ausprobiert werden sollte. Christen beginnen gerade die Ehe im Gebet mit Gott und wissen, dass alles Gute und Große nicht in der Verfügungsgewalt des einzelnen Menschen liegt. Vielmehr muss es von oben geschenkt werden. Wie oben gesagt ist eine sexuelle Grundattraktivität unverzichtbar – aber ein voreheliches Ausprobieren der Sexualität hat zu viele potenzielle Risiken für das langfristige Glück des Paares, als dass es empfohlen werden kann. Warum scheitern doch so viele Partnerschaftsbeziehungen trotz aller sexuellen Freiheiten? Gerade wegen der zu frühen Fokussierung auf die Sexualität nach unserer Überzeugung.
Die muslimischen Mitglieder unseres interreligiösen Gesprächskreises sehen diese Problematik grundsätzlich ganz genauso, akzentuieren allerdings die Rolle der Familie zur Problemlösung noch stärker. (Work in Progress)
Wenn man diese Befreundungs- und Verlobungszeit in dieser Weise konstruktiv abarbeitet, dann wächst nicht nur die Beziehungsfähigkeit, sondern man schenkt dem Partner und auch Gott einen erheblichen Vertrauensvorschuss. Vertrauen ist ja genau das was Gott von uns will – aber auch der Partner! Man kann sogar sagen, dass die blauen Kästen, die im Grundmodell der Salutogenese das Ausmaß der Bedürfnisbefriedigung ausdrücken, durch die einzigartige Energie des Vertrauens (zu Gott, zu sich selbst und zu Anderen) geprägt sind. Das heißt, wenn man dieses Vertrauen in der Ehe-Vorbereitung wagt, dann handelt man entsprechend der Vorgaben der Schöpfung. Wir glauben, dass der Mensch im Grunde nur so seine volle menschliche Erfüllung findet.
Gott (und auch der Partner) schenkt in der dann vollzogenen Ehe ganz häufig gerade auch sexuelles Glück (gerade weil man es nicht voll ausprobiert hat), das bis ins Alter immer noch schöner werden kann. Wir sprechen nach 30 Jahren glücklicher Ehe aus eigener Erfahrung – wissen aber auch, dass wir es nur mit Gottes Hilfe und entsprechenden eigenen Anstrengungen schaffen. Wir haben auch verschiedene christliche Ehe-Kurse besucht, von denen wir immer noch profitieren. Das Phänomen lässt sich auch relativ einfach psychologisch plausibilisieren:
Regelmäßige Bausteine einer christlichen Ehe-Predigt (Unfertig)
Die Partner übernehmen Verantwortung dafür, dass sie das Mögliche dafür tun, damit sie ihren Partner in den verschiedenen Lebensbereichen glücklich machen können, allerdings nicht als Therapeuten (das muss klar abgegrenzt werden!), sondern eben gerade in den vielen kleinen Dingen des Alltags, worüber man sich freut. Nach der christliche Ehe-Lehre gehört dazu gerade auch, sich mit viel Zeit in die Dinge zu vertiefen, die sexuell die Partnerin/ den Partner glücklich machen – wozu man viele Jahr Zeit hat, die sexuellen Begegnungen zu vervollkommnen.
