Von Dr. Christian Marettek (Frühjahr 2026)
Psychologie-Podcast von Deutschlandfunk Kultur als Basis
Unsere interreligiöse Arbeitsgruppe aus engagierten Christen und Moslems verfolgt im Rahmen des FIDES-Projekts „Wege zu gelingendem Familienleben“ natürlich auch systematisch die Veröffentlichungen der Psychologie-Podcasts der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.
Dabei bestach im ersten Quartal 2026 nach unserer Einschätzung insbesondere eine Sendung von Deutschlandfunk Kultur sowohl hinsichtlich der qualitativen Aufbereitung als auch auf die gesellschaftliche Bedeutung und die potenzielle Ergiebigkeit (Sicht der Psychologie als Wissenschaft):
Deutschlandfunk Kultur hat am 18.01.2026 in seiner Reihe „Plus Eins“ unter dem Titel „Elternschaft – Wie schwer es ist, sich von alten Rollenbildern zu lösen“ darüber berichtet, wie
- sich die beiden berufstätigen Eltern zu Beginn ihrer Beziehung (sie lebte in Berlin, er in Hamburg) fest vorgenommen hatten, dass Familie etwas Erstrebenswertes wäre, wofür dann aber auch beide Eltern in gleichem Maße Verantwortung übernehmen wollten,
- sich jedoch schneller als erwartet ein Baby angekündigt hat, so dass die werdenden Eltern aus der bisherigen Fernbeziehung heraus mit erheblichen Herausforderungen konfrontiert wurden,
- so dass daran auch trauriger Weise die Beziehung zerbricht, ein Versuch einer Familientherapie scheitert,
- sich aber Lukas als ungeplanter Vater (einvernehmlich mit seiner Ex-Freundin) in den Folgejahren schließlich dann doch so intensiv in die Kinderbetreuung einarbeitet, dass er es offenbar am Ende dann doch schafft, eine intensive Beziehung zu seiner Tochter mit 50/50-Betreuung aufzubauen, die von allen drei Seiten als positiv gewertet wird.
Nach unserer Einschätzung ist dieser Beitrag aus verschiedenen Gründen für ein gemeinsames interkulturelles Nachdenken geeignet:
- Lukas als authentischer Ich-Erzähler, der zugleich Journalist ist, beschreibt sehr treffend die komplexen Probleme, die gerade Männer bewältigen müssen, wenn man im Beruf über Jahre gelernt hat, leistungsorientiert zu funktionieren, um sich jetzt adäquat mit der Schwangerschaft in eine völlig neue Lebensrealität (und zwar ohne ein gutes väterliches Vorbild) einzuarbeiten,
- wenn dann die Partner infolge der bisherigen Fernbeziehung noch nie geübt hatten, in einer Wohnung gemeinsam zu leben, um dann kurz darauf zusätzlich die ganzheitlichen Herausforderungen gerade der ersten Monate nach der Geburt zu bewältigen.
- Vor allem überzeugt der selbstkritisch erzählende Vater Lukas – ergänzt durch die, wie so oft gelungenen An-Moderationen und Kommentare der Sendereihe Plus Eins.
- Die Sendung ist daher wirklich geeignet, vielen anderen Männern in Deutschland neuen Mut zu machen, dass selbst bei scheiternder Partner-Beziehung (damit im Falle der weitverbreiteten „Patchwork-Familien in Deutschland) Fortschritte in der Vater-Tochter-Beziehung möglich sind.
Ausgehend von diesem Fall 8 wollen wir in unserem interreligiösen Gesprächskreis aus erfahrenen Eltern – teilweise mit pädagogischen, psychologischen und seelsorgerlichen Zusatzqualifikationen – das Thema „Umgang mit Partner-Beziehungen“ vertiefend analysieren. Dabei wird in der vergleichenden Analyse zu erarbeiten sein, welche (weiteren) Empfehlungen die psychologische Wissenschaft anbietet und wie die unterschiedlichen Glaubenskulturen mit derartigen Fällen umgehen (Work in Progress).
