Fall 3: Regelmäßiges Nikotin und Trinken in Clique mit 16

Von Dr. Christian Marettek

Die fiktive Familie von Steffi und Sven als Hintergrund

Steffi und Sven sind beide 51 Jahre alt, Steffi ist Psychologin und Bürgermeisterin einer Kleinstadt, Sven leitender Beamter, beide sind beliebt und bestens vernetzt und engagiert für die CDU.

Ihre Kinder sind Melanie 18 und Andrea 16, beide sind in unterschiedlichen Cliquen aktiv, in denen viele bereits rauchen und am Wochenende viel Alkohol konsumiert wird.

Anhand dieser Beispiel-Familie, die die nicht-gläubige Mainstream-Kultur in Deutschland repräsentiert, wollen wir uns dem schwierigen Thema Sucht mit den Fällen 3 und 4 annähern.

Im Vordergrund sind Steffi und Sven mit ihren beiden Töchtern Melanie 18 rothaarig und Andrea 16 schwarzhaarig beim gemeinsamen Federballspiel. Wie bei den beiden anderen Beispiel-Familien auch, sind die Familien grundsätzlich intakt. Dies bedeutet: wenn man die Heranwachsenden fragt, ob ihre Eltern sie lieben, bejahen sie dies uneingeschränkt. Ein Problem dieser Familie ist allerdings ähnlich wie in der Familie von Jenny und Robert, dass die Eltern sehr viel arbeiten. Dies wirkt sich aber zunächst deshalb nicht negativ aus, weil sowohl Andrea 16 als auch Melanie 18 schon früh in stabilen freundschaftlichen Cliquen (Peer Groups) integriert sind und beide sowohl einen festen Freund als auch eine beste Freundin in ihrer jeweiligen Peer Group haben, mit denen sie jedes Wochenende „abhängen“.

Herausforderungen entstehen dadurch, dass im Fall 3 Andrea mit 16 bereits jedes Wochenende raucht und Alkohol trinkt.
Auch bei Melanie war dies mit 16 nicht viel anders, jetzt mit 18 wird – Fall 4 – schon regelmäßig Marihuana konsumiert. Wenn die Eltern die Töchter darauf ansprechen, heißt es einfach: „das machen doch alle in unserer Clique und im Übrigen sind unsere schulischen Leistungen in den letzten Jahren sogar gestiegen“.
Was können die Eltern tun?
Was Steffi jeden Samstag macht (wenn der Nachwuchs beider Familien zum Feiern weg ist): sie bespricht alle wichtigen Fragen mit ihrem Zwillings-Bruder Robert auf der Terrasse zwischen ihren beiden Häusern:

An diesem Samstag erzählt Robert von den Problemen seiner Kinder Sebastian (Fall 1) und Marie (Fall 2). Umgekehrt erläutert Steffi ihre Sorgen mit ihrer Tochter Andrea (Fall 3). Steffi nennt die regelmäßige Runde mit ihrem Bruder als leidenschaftliche Psychologin „gegenseitige Supervision“ und bespricht mit Robert regelmäßig auch alle wichtigen Probleme ihrer Stadtverwaltung oder des Fußballvereins – überall wo es menschelt,

Ausgangspunkt der Debatte über Andrea (Fall 3) ist das nachdenkliche Gespräch mit ihrem Mann der zuletzt gesagt hat: „Warum können wir jetzt schon bei der zweiten Tochter nicht verhindern, dass sie ohne Nikotin und Alkohol aufwachsen?“ Daraufhin hat Steffi am 11.05.2026 bei der Google-KI folgende Frage eingegeben:

„Wenn 16 jährige einmal die Woche viel Alkohol trinken, was sind die Konsequenzen?“ was folgende KI-Antwort ergab

Wenn 16-Jährige einmal pro Woche viel Alkohol trinken, greift dies massiv in die bis zum 21. Lebensjahr (und darüber hinaus) andauernde körperliche und geistige Entwicklung ein. Da Jugendliche weniger wiegen und ihre Organe noch reifen, wirkt Alkohol bei ihnen schneller toxisch als bei Erwachsenen. [1, 2, 3]

Hier sind die zentralen Konsequenzen:

Schäden am Gehirn [1]

Das jugendliche Gehirn ähnelt einer „Baustelle“ und reagiert extrem empfindlich auf Giftstoffe. [1, 2]

  • Irreparable Schäden: Regelmäßiger Rausch kann die Vernetzung der Nervenzellen stören, was zu bleibenden Intelligenz- und Konzentrationsschwierigkeiten führt.
  • Gedächtnisverlust: Besonders die Bereiche für Gedächtnis, Lernen und Aufmerksamkeit werden geschädigt. Diese Defizite können oft noch zehn Jahre später nachweisbar sein.
  • Impulskontrolle: Alkohol beeinträchtigt Regionen, die für rationale Entscheidungen und emotionale Steuerung zuständig sind.

Langfristige Gesundheitsrisiken

  • Suchtgefahr: Wer früh regelmäßig trinkt, hat ein deutlich höheres Risiko, im späteren Leben eine Alkoholabhängigkeit zu entwickeln.
  • Organschäden: Trotz des jungen Alters können bereits Leberschäden oder Entzündungen der Bauchspeicheldrüse initiiert werden.
  • Bluthochdruck: Alkoholexzesse in der Jugend stehen im Zusammenhang mit erhöhtem Blutdruck im Erwachsenenalter. [1, 2, 4, 5]

Soziale und psychische Folgen

  • Leistungsabfall: Die kognitiven Einbußen führen oft zu einem massiven Abfall der Leistungen in Schule oder Ausbildung.
  • Psychische Erkrankungen: Regelmäßiger Konsum kann Depressionen, Ängste, Persönlichkeitsstörungen oder sogar Psychosen auslösen oder verstärken.
  • Unfall- und Gewaltgefahr: Durch die Enthemmung steigt das Risiko für Unfälle (z. B. Stürze, Verkehrsunfälle), aggressive Auseinandersetzungen und ungewollte sexuelle Erfahrungen.

Soweit die zitierte Google-KI, die insbesondere wichtige Seiten zitiert wie „Wirkung und Folgen von Alkoholmissbrauch bzw. -abhängigkeit bei Kindern und Jugendlichen“ und Kenne dein Limit.

Verständlicherweise ist Steffi in Sorge, was sie dagegen machen kann. Robert ist zunächst ratlos – zu sehr ist er gerade mit seinen eigenen Kindern beschäftigt. Robert verspricht Steffi, das er das Problem vertraulich an Jenny weitergibt, um die medizinische Sicht zu vertiefen; zudem ist Jenny Patentante von Andrea. (Fortsetzung folgt).

Für Zwecke der FIDES-Studie „Wege zu gelingendem Familienleben“ ist noch einmal zu betonen, dass hier eindeutig leichtere Fälle im Mittelpunkt stehen, weil nur diese durch koordinierte Hilfsangebote von Eltern und Schule erfolgversprechend bewältigt werden können. Unser interreligiöser Gesprächskreis will bekanntlich vor allem Mut zur Familie machen! Deswegen wollen wir realistisch zeigen, was Eltern und Schule durch koordinierte Anstrengungen erreichen können.

Abgrenzung zur klinischen Suchterkrankung (wo therapeutische Hilfe fast immer erforderlich ist)

Wenn wie hier mit 16 am Wochenende Alkohol und Nikotin konsumiert wird, existiert noch keine eindeutige Suchterkrankung. Die Schwelle wird dann überschritten, wenn dies auch unter der Woche geschieht. Noch schlimmer ist die Erkrankung natürlich dann, wenn dies bereits einige Lebensjahre früher passiert. Ein schwerer Fall wurde kürzlich im Deutschlandfunk Kultur gesendet, als Jaron bereits mit 13 fast täglich Nikotin und Alkohol konsumierte.

Wenn Suchtmittel in diesem Alter dauerhaft unkontrolliert und in großem Umfang konsumiert werden, dann entstehen fast immer Co-Abhängigkeiten; die meisten Familien zerbrechen daran. Als einen derartigen Fall empfehlen wir dem Leser den gut recherchierten und aufbereiteten Fall Extrembelastung – Wenn das Kind drogensüchtig wird, der am 01.02.2026 im Reihe der Sendereihe „Plus Eins“ von Deutschlandfunk Kultur gesendet wurde und auch bei ARD-Sounds abrufbar ist.

Die Journalistin trifft Isa, die ihre Lebensgeschichte mit dem ältesten Sohn Jaron erzählt, der nach einer gescheiterten Beziehung mit 13 bereits eine ausgeprägte Sucht entwickelt, zunächst nach Alkohol und Marihuana und bereits mit 14 weitere harte Drogen nimmt. Jaron hat in der Folge eine ausgeprägte Psychose entwickelt – was bekanntlich gar nicht selten ist bei frühem Drogenkonsum wie Marihuana! In diesem Verfolgungswahn hat Jaron in den Folgejahren immer wieder extrem aggressiv alles zusammen geschlagen, sogar die Mutter verprügelt und die Einrichtung der Familie immer wieder zertrümmert. Diese Extremsituationen führen dazu, dass auch die zweite Ehe von Isa scheitert, die danach selbst Zuflucht in regelmäßigem Alkohol sucht.

Diese Podcast-Folge ist nach unserer Überzeugung vor allem deshalb so gelungen, weil das bei Suchtproblemen weitverbreitete Phänomen der Co-Abhängigkeit hier fundiert und besonders nachvollziehbar geschildert wird. Die Mutter Isa sagt (zusammengefasst), dass – wenn du ganz dicht dran an einem nahen Angehörigen bist mit einer solch schrecklichen Situation (und du keinen ausgleichenden Partner hast) – dann „vermischt du deine Wirklichkeit mit der des Abhängigen“ und wirst dadurch co-abhängig. Das hatte bei Isa ganz konkrete Folgen: sie ertrug die schreckliche Wirklichkeit nur durch regelmäßigen Alkohol. Erst als sie verstanden hatte, dass sie selbst abhängig geworden ist und dass sie trotzdem in keiner Weise ihrem Sohn durchgreifend helfen konnte, hat sich ihr Leben in der Folge wieder positiv verändert. Entscheidender Durchbruch ist dann die Situation als dann Jaron noch mal kommt und sie dies erstmals eindeutig ablehnt und ihn rausschmeißt (und Jaron – als auch sein leiblicher Vater ihn rausschmeißt – schließlich im Obdachlosenasyl wohnen muss).

Isa erkennt endlich, dass sie erst dann helfen kann, wenn sie sie sich abgrenzt und sich soweit stabilisiert hat, dass sie mit Abstand so etwas wie ein „Leuchtturm“ für den Abhängigen sein kann. Tatsächlich hat Jaron mittlerweile mit 27 endlich die Krankheitseinsicht der Suchterkrankung und der paranoiden Schizophrenie und geht für ein Jahr in eine geschlossene Therapie (Ende des Berichts).

Wie man solche Fälle der Co-Dependenz professionell therapieren kann, zeigen nach unserer Einschätzung besonders fundiert die Veröffentlichungen der darauf spezialisierten US-amerikanischen Minirth-Meier-Klinik, siehe z.B. Hemfeldt/ Minirth/ Meier 2005, Mut zur Liebe (9.Aufl.), wo ab S. 227 das hier entwickelte Zehn-Schritte-Programm der Heilung bei Co-Dependenz eines Elternteils vorgestellt wird:

  • Erforschung und Entdeckung der Suchterkrankung
  • Geschichte der Beziehungen
  • Kontrolle der Sucht (bis zu dieser Phase steigt sogar der innere Schmerz, wie es genauso Isa im Fall von DLF Kultur berichtet!)
  • Neue Erfahrungen
  • Neue Elternschaft
  • Rechenschaft
  • Stabilität (mit immer weniger Schmerz)

Wie gesagt, so schlimm ist es in der Familie von Steffi und Sven nicht. Zurück zum Fall 3:

Fall 3: Steffis jüngere Tochter Andrea, die mit 16 in einer Clique schon regelmäßig Nikotin und Alkohol konsumiert

Nach einem kleinen sonntäglichen Federballspiel, den die Töchter mal wieder gewonnen haben, sagt der stolze Vater Sven im vertraulichen Gespräch zu seiner Frau: „Unsere Töchter sind doch richtig schöne Frauen geworden!“ Steffi erwidert: „Bild dir bloß nichts darauf ein“ und erinnert ihren Mann daran, dass auch ihre Andrea mit 16 nach dem gestrigen Samstag wieder nach Nikotin gestunken hat. „Und ich möchte nicht wissen, wie viel Alkohol sie getrunken hat“.

Ausgewählte Hinweise gemäß Wikipedia, abgerufen am 11.05.2026

Seit dem Grundsatzurteil des Bundessozialgerichts vom 18. Juni 1968[5] ist mit der Alkoholabhängigkeit erstmals ein Abhängigkeitssyndrom als Krankheit im Sinne der gesetzlichen Krankenversicherung anerkannt. Sie und andere Kostenträger übernehmen seither die Kosten für die Behandlung von Begleiterkrankungen der Abhängigen sowie für Leistungen zur Rehabilitation, Erhaltung, Besserung und Wiederherstellung der Erwerbsfähigkeit.

Der erste Lehrstuhl für Abhängigkeitserkrankungen in Deutschland wurde 1999 am Zentralinstitut für Seelische Gesundheit in Mannheim eingerichtet.

Nach der Definition der WHO ist die psychische Abhängigkeit ein Bedürfnis bis hin zu einem zwanghaften Drang nach periodischem oder dauerndem Konsum der Droge (bzw. nach Ausführung eines Suchtverhaltens bei stoffungebundenen Suchten), um ein Lustgefühl zu erlangen und/oder ein Unlustgefühl zu vermeiden. Dieser innere Zwang gilt als das wesentliche Kriterium einer Abhängigkeitserkrankung.[12] Die physische Abhängigkeit ist eine körperliche Reaktion des Dauerkonsumenten, die zu einer körperlichen Toleranz gegenüber der Drogen-Wirkung führt und beim Absetzen der Substanz Entzugssymptome hervorruft.[13][14][15][16]

Die WHO-Kriterien für Abhängigkeit im ICD-10 sind[3] „

  1. ein starker Wunsch oder eine Art Zwang, Substanzen oder Alkohol zu konsumieren.
  2. Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich des Beginns, der Beendigung und der Menge des Substanz- oder Alkoholkonsums.
  3. Substanzgebrauch mit dem Ziel, Entzugssymptome zu mildern.
  4. Ein körperliches Entzugssyndrom.
  5. Nachweis einer Toleranz: Um die ursprünglich durch niedrige Dosen erreichten Wirkungen der Substanz hervorzurufen, sind zunehmend höhere Dosen erforderlich.
  6. Ein eingeengtes Verhaltensmuster im Umgang mit Alkohol oder der Substanz, wie zum Beispiel die Tendenz, Alkohol an Werktagen wie an Wochenenden zu trinken und die Regeln eines gesellschaftlich üblichen Trinkens außer Acht zu lassen.
  7. Fortschreitende Vernachlässigung anderer Vergnügen oder Interessen zugunsten des Substanzkonsums.
  8. Anhaltender Substanz- oder Alkoholkonsum trotz Nachweises eindeutiger schädlicher Folgen. Diese können körperlicher, sozialer oder psychischer Art sein.

Die psychische Abhängigkeit wird durch die unter Punkt 1 und 2 genannten Kriterien beschrieben. Die körperliche Abhängigkeit ist durch die unter 3, 4, und 5 genannten Kriterien gekennzeichnet.“[12][17]

SubstanztypToleranzentwicklungpsychische Abhängigkeitkörperliche Abhängigkeit
Cannabis(+)++(+)
Mescalin+++
Weckamine+++
Kokain− (?)+++(+)
Alkohol/Barbiturate+++++
Morphin++++++++
Nikotin+++++++

Substanzverlangen oder Craving (englisch für ‚Begierde‘ oder ‚Verlangen‘) ist ein Fachbegriff aus der Suchtmedizin. Craving oder constant craving umschreibt das kontinuierliche und nahezu unbezwingbare Verlangen eines Suchtkranken, sein Suchtmittel (AlkoholTabak, sonstige Drogen) zu konsumieren.[18]

Craving ist das zentrale Moment des Abhängigkeits– und Entzugssyndroms. Es hat seine neurobiologische Grundlage in der Sensitivierung des Belohnungssystems im Gehirn, des mesolimbischen Systems.[19]

Auch die Gier nach fetten und süßen Speisen bei Adipositas wird als „Craving“ bezeichnet.[20][21]

Ende der Entnahme aus Wikipedia

Was können die Eltern im Fall 3 machen?

Grundsätzlich ist eine höhere zeitliche Präsenz der Eltern bzw. eines Elternteils ein vielversprechender Ansatz auch für die Probleme von Andrea. Da sich Steffi gerade im Wahlkampf befindet, kommt für sie derzeit keine Arbeitszeitverkürzung in Frage. Sven entscheidet sich dafür, aus Liebe zu seinen Töchtern seine Arbeitszeit zu verkürzen – ist zunächst aber verständlicher Weise ziemlich hilflos, überhaupt ein ernstes Gespräch mit Andrea zu beginnen. Erste Fortschritte werden erzielt, nachdem Tante Jenny (Schwägerin von Steffi und Patentante von Andrea) ihr Sabbatical begonnen hat.

Als erfahrene Oberärztin und attraktive Frau in glücklicher Beziehung trifft sie den richtigen Ton, um als erstes das medizinische Problem, das durch regelmäßigen Alkohol- und Nikotin-Konsum entstanden ist, klar zu verdeutlichen:

„Dein Gehirn ist mit 16 nur zum Teil fertig entwickelt. Während das Belohnungssystem des Mittelhirns schon weitgehend fertig ist (das Mittelhirn will also Party), ist das Frontalhirn (das komplexe Prozesse steuern kann) noch nicht voll ausgebildet. Ergebnis: die massive Dopaminausschüttung im Alkoholrausch muss möglichst schnell wiederholt werden, bestehende Risiken werden nicht erkannt bzw. zur Seite geschoben. Du bist eine fitte Frau – aber wirklich noch nicht alt genug, um regelmäßige Alkoholexzesse ohne Schaden zu überstehen.“

In mehreren zwanglosen Gesprächen – zwischen zwei Federball-Spielen (Jenny ist die beste Spielerin der drei nebeneinander wohnenden Beispielfamilien) versucht sie zu analysieren, warum Andrea jeden Samstag mit dieser Clique abhängt.

Jenny: "Ich weiß, dass deine Clique so etwas wie deine Heimat ist - gerade auch durch deinen Freund, der wohl ein toller Kerl ist. Und natürlich durch deine beste Freundin! Wäre es nicht möglich, auch weiterhin zur Clique zu gehen, aber deutlich weniger zu trinken und das aktive Rauchen ganz aufzugeben? 

Du wolltest doch auch Medizinerin werden... Ohne ein überdurchschnittlich gesundes Gehirn geht das einfach nicht - und Alkohol wird dein Gehirn in diesem Alter schädigen!"

Vgl. die entsprechende Argumentation von Dietmar Seehuber (Chefarzt der Klinik Hohe Mark, einer angesehenen christlichen Spezialklink für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie), Im Kampf mit der Abhängigkeit, Süchtige Menschen verstehen und behandeln, in: Psychologie & Seelsorge 2024, S. 10-13 (S.11).

Nachdem Jenny zusammen mit Sven auch den Freund von Andrea regelmäßig zu kleineren sportlichen Events einlädt, wächst etwas Neues, das Andrea so benennt:

"Ich bin nicht mehr abhängig - weder von der Clique noch von dem bier- oder weinseligen Alkoholgenuss. 
Wenn ich mit Jenny und meinem Freund sportlich feiere, ist die gute Stimmung ganz natürlich da - ohne jedes Suchtmittel!"
Daraufhin sagt Jenny: "Das was du gerade gesagt hast, wollen wir aufschreiben - weil deine Erkenntnisse es wirklich verdienen!"

Dieses „Aufschreiben“ läuft in psychologischen und pädagogischen Fachliteratur unter dem Stichwort „Wertevertrag“: sie verpflichtet sich gegenüber ihrer eigenen Gesundheit zu bestimmten, als richtig erkannten Werten und schreibt sogar den getrunkenen Alkohol in ihr Tagebuch.

Sven hat als Vater durch die Arbeitszeitverkürzung täglich Zeit, um ganz alltägliche Gespräche mit seiner schönen Tochter zu führen, was beiden sichtbar gut tut. Natürlich ist Sven ganz begeistert, was seine Schwägerin Jenny über das sportlich-medizinische Engagement in Andrea investiert. Positiver Nebeneffekt: er hat sich dem regelmäßigen Badminton-Training angeschlossen und hat in sechs Wochen selbst 7 Kilos abgenommen.

Aber auch die Interventionsart I6 „Schaffung einer neuen Peer Group“ spielt im Fall 3 noch eine wichtige Rolle:

Interventionsart „Schaffung einer neuen Peer Group“

Bei vielen kleineren und mittelgroßen Problemen, die nicht so kreativ und mit großem Zeit-Einsatz durch die Eltern gelöst werden können (wie die Fälle 1 und 2) kann eine, von Erwachsenen angestoßene neue Peer Group positive Veränderungen bringen. Dies bedeutet vereinfacht, dass die eine Clique mit den schädlichen Gewohnheiten durch eine gesündere Clique (meist mit viel Sport) ersetzt wird. Hintergrund: Heranwachsende brauchen zutiefst die Anerkennung einer Gruppe von Gleichaltrigen! Vgl. ausführlich hier.

In der Folgezeit geht Andrea zwar zu ihrer Clique, trinkt aber deutlich weniger Alkohol. Sie bemerkt, dass es ihr zwar möglich ist, fröhlich zuzuschauen, während die anderen den Rausch genießen - dass das Zuschauen ihrer Clique aber doch merkwürdige Gefühle in ihr auslöst: das Ganze wirkt zunehmend sinnlos; ihre Freunde tun ihr zunehmend leid, weil sie erkennbar ihre Gesundheit schädigen.  

Über das zunehmende Gefühl der Sinnlosigkeit bei ihren weiteren Besuchen ihrer alten Clique berichtet Andrea gegenüber Jenny beim nächsten Badminton-Spiel.

Jenny hatte schon länger gehofft, dass Andrea an diesen Punkt kommen würde und hatte für diesen Fall bereits mehrere Optionen durchdacht, was Andrea und ihr Freund als regelmäßigen Event freuen könnte.

Jenny schlägt vor, dass sie zusammen mit Andrea und ihrem Freund eine Badminton-Gruppe i n ihrem Verein gründen könnten, die nach dem Training jeden zweiten Samstag in den Räumen der Freien evangelischen Gemeinde feiern könnten. Dort wird viel weniger Alkohol getrunken und Nikotin ist ganz verboten (Jenny ist zeitweise mit ihren zwei Kindern auch dabei).

Die neue Gruppe bringt für den Alkoholkonsum von Andrea und ihrem Freund den Durchbruch, wie schließlich Andrea selbst ihren Eltern erzählen kann: „ich trinke höchstens noch einmal im Monat eine größere Menge Alkohol!“ Noch besser: Der Nikotinkonsum (Andrea glaubte bislang, dass sie das Nikotin bräuchte, um schlank zu bleiben) kann wesentlich reduziert werden und hört schließlich ganz auf.