Zu den Grundsätzen der interkulturellen Fallstudie, wie familiäre Probleme gelöst werden können, siehe hier,

wo sich auch die Vorstellung unserer Beispielfamilie findet.
Die Fallstudie basiert auf einer mehrmonatigen Fachdiskussion im interreligiösen Gesprächskreis aus erfahrenen Eltern mit pädagogischen, psychologischen der seelsorgerlichen Zusatzqualifikation (FIDES-Projekt).
Wie Jenny und Robert die schulische Integration ihres Sohnes fördern
Jenny und Robert sind sich einig, dass sie künftig alle Maßnahmen, die sie zur Integrationshilfe von Sebastian treffen wollen, täglich gemeinsam abstimmen wollen, bis erkennbare Fortschritte erreicht sind. Als Christen wissen Jenny und Robert auch, dass in dem gemeinsamen Gebet für liebe Mitmenschen eine große Verheißung liegt. Deshalb beten sie eine Zeit lang täglich verstärkt um Weisheit für Sebastian.
Wie andere Christen auch, machen sie die Erfahrung, dass die besten Ideen im Gebet kommen. Im Gebet erinnert sich Robert daran, dass Sebastian ihn gebeten hatte, dass er persönlich vielleicht das Torwarttraining im SV Steinbach wieder aufnehmen könnte. Robert war ja in der aktiven Zeit ein erfolgreicher Torwart und hat ein entsprechendes Ansehen in der Stadt. Jetzt spielt Robert in der AH-Mannschaft Stürmer – kann aber mit Sicherheit immer noch ein guter Torwarttrainer sein.
Außerschulische Erfolgserlebnisse (Interventionsart I2)
Robert entscheidet sich, im Verein eine Torwart-Trainingsgruppe für die Jugendlichen anzubieten und erinnert sich an ein entsprechendes Interesses von Norbert, einem Jungen der Parallelklasse von Sebastian. Zu viert (ein weiterer Interessent gesellt sich dazu) beginnen sie mit einem wöchentlichen Intensivtraining. Hieraus ergibt sich über mehrere Monate ein schrittweise wachsendes Selbstvertrauen von Sebastian, weil er eindeutig der reaktionsstärkste Jugendliche ist. Außerdem entstehen nach dem Training freundschaftliche Kontakte zwischen Sebastian und Norbert – was die Eltern Jenny und Robert nach Kräften fördern, z.B. durch Übernachtungseinladungen bei sich zu Hause.
Die Beziehungen werden erfreulicherweise so stark, dass eines Abends Norbert selbst das auch von ihm beobachtete Hänseln von Sebastian in der großen Pause anspricht und als „eindeutig böse“ klassifiziert. Er verspricht in Anwesenheit von Jenny, Sebastian künftig in derartigen Fällen persönlich zu verteidigen, „jetzt wo wir Freunde sind“!
Jenny ist natürlich begeistert; sie erinnert sich, dass sie vor Jahren Norbert in ihrer Kindergottesdienstgruppe hatte, als sie über das Thema Hänseln von Schüchternen sprachen.
Innerschulische Paten (Interventionsart I3)
Aus pädagogischer Sicht wirkt der zusätzliche Freund Norbert aus der Parallelklasse wie ein innerschulischer Pate – kann je nach dessen eigener Integration sogar noch besser wirken (das reguläre Patensystem arbeitet eher mit Paten einer übergeordneten Klasse).
Mehrfach kommt es zur Konfrontation zwischen Sebastian und Norbert einerseits und der Clique aus Sebastians Klasse andererseits. Nach einer blutigen Schlägerei, die von einem Schulsozialarbeiter und Norbert beobachtet wird – wo er mutig dazwischen geht (und auch einen Schlag abbekommt) – wird das systematische Hänseln in der Schule aktenkundig. Die Rädelsführer bekommen einen schriftlichen Tadel mit Einbestellung der Eltern. Die Schule handelt folgendermaßen: Auf eine Anzeige wird in Abstimmung mit Jenny und Robert verzichtet unter der Bedingung, dass das systematische Hänseln von Sebastian ab sofort unterbleibt; andernfalls müssten die Täter nicht nur mit einer Anzeige fertig werden, sondern ohne weitere Diskussionen die Schule verlassen.
In der Folge sehen Jenny und Robert, wie sich Sebastians Selbstvertrauen immer besser entwickelt. Sowohl das wöchentliche Torwarttraining mit seinem Vater und einer bereits auf sechs Jugendliche angewachsenen Gruppe als auch die weiter wachsende Freundschaft mit Norbert tun ihm so richtig gut. Nach zwei Monaten entscheiden die Eltern sich dazu, dass das tägliche Beten für Sebastian nicht mehr so im Vordergrund stehen braucht. Sebastian ist schon wieder mehr der (liebe) Lausebengel, wie er vor seiner Krise war – der auch mal richtig frech sein kann. Robert kann auch wieder das Ehrenamt in der Gemeinde übernehmen – wissend dass Jenny ja wegen ihres Sabbatticals ganz zu Hause ist.

