Adam/Adem in Bibel und Koran

Aus der koranischen Lehre 

Zusammenfassung des Vortrags von Ibrahim am 07.08.2023 in Saarbrücken (1. Teil)

 

Ibrahim und Adem erläuterten in unserer Besprechung, dass dieses Niederwerfen der Engel vor dem geschaffenen Menschen wichtig für ihren Glauben ist. Wir Menschen haben aus Gottes Sicht eine große Würde – weil der Mensch der Gegenüber für Gott ist.

Alle Fußnoten im Vortrag von Ibrahim beziehen sich auf den Korankommentar, wie er  in der im Internet verfügbaren türkischen Zeitschrift Wissenschaft und Zukunft auch in Deutsch verfügbar ist (Anmerkung: der Korankommentar zur Schöpfung von Adam ist von Hasan Aydin: https://bilimvegelecek.com.tr/index.php/2014/09/01/kuranda-yaratilis-oykusu-ve-insanin-seruveni/#_ftn146

Aydin schreibt am 01.09.2014 (Google-Übersetzer Deutsch):  

So schuf Gott den Menschen in seiner schönsten Form, formte ihn dann und sagte dann zu den Engeln: „Wirf dich nieder vor Adam.“ [146] Auf Gottes Befehl, sich niederzuwerfen, warfen alle Engel gemeinsam nieder, außer Iblis. [147] Iblis war einer der Dschinn. [148] Er verstieß gegen Gottes Gebot und vermied es, mit denen zusammen zu sein, die sich niederwarfen. Er warf sich nicht nieder und wandte sich ab. Er wurde arrogant und wurde einer der Ungläubigen. [149] Gott sagte zu ihm: „O Satan, was ist mit dir los?“ Warum seid ihr nicht bei denen, die sich niederwerfen? [150] Was hindert dich daran, dich niederzuwerfen, wenn ich dir befehle? [151] O Iblis, was hat dich daran gehindert, dich vor dem niederzuwerfen, was ich mit meinen beiden Händen geschaffen habe? Wolltest du arrogant sein oder warst du einer der Großen?‘ [152] Iblis antwortete: „Ich werde mich nicht vor einem Menschen beugen, den Du aus trockenem und fauligem Schlamm erschaffen hast.“ Ich bin besser als er. Du hast mich aus Feuer und ihn aus Schlamm erschaffen. [153] Soll ich mich vor dem niederwerfen, den er aus Ton erschaffen hat?‘ Gott sagte: „Verschwinde sofort von dort, du bist jetzt vertrieben.“ [154] Steigen Sie dort aus. Es wäre für Sie nicht angebracht, dort arrogant zu sein. Machen Sie weiter, Sie gehören zu denen, die vermindert sind. [155] Verflucht sei auf euch bis zum Tag des Jüngsten Gerichts. [156] Er sagte: „Wahrlich, mein Fluch liegt auf euch bis zum Tag des Gerichts.“ [157] Der Teufel antwortete: „Da ist der, den du mehr schätzt als mich!“ In der Tat, wenn du mich bis zum Tag des Gerichts warten lässt, werde ich seine Nachkommen bis auf einige wenige unter meinen Befehl nehmen. [158] Gib mir Zeit bis zum Tag der Auferstehung.‘ [159] Dann sagte Gott: „Geh! Er sagte: „Komm schon, du gehörst zu denen, die bis zum Tag der festgesetzten Zeit warten müssen.“ [160] „Mein Herr“, sagte Iblis; „Da du mich verführt hast, werde ich die Menschen auf der Erde für sie schmücken.“ Ich werde alle Deine Diener verführen, außer den Aufrichtigen unter ihnen. [161] Ich werde einen Teil von deinen Dienern nehmen und sie in die Irre führen; Ich werde ihnen Wünsche und Ideale geben, ich werde ihnen befehlen, den Riesen die Ohren abzuschneiden, ich werde ihnen befehlen, deine Schöpfung zu verändern. [162]  

Interreligiöser Dialog  

Christian Marettek schreibt als Christ hierzu:

Über diese Koranstelle, die nicht in der Bibel enthalten ist, habe ich im Nachgang zum 07.08.2023 wiederholt nachgedacht und mich im Gebet zu Gott gefragt, wie ich damit umgehen soll. Für mich hat es etwas Zeit gebraucht, um meine eigene Stellung als Christ hierzu zu definieren. (Manuel hatte im Termin die Unterschiedlichkeit betont, während Dietrich interessante theologische Anknüpfungspunkte aus seinem Wissen über den Koran erwähnte).

Christian weiter: Nach meiner persönlichen Auffassung sind im Ergebnis die Unterschiede gar nicht so groß, wie zunächst gedacht: das was Adem und Ibrahim für ihren Glaubensalltag und unser Leben aus der Koranstelle abgeleitet haben, leiten wir Christen – vereinfachend gesagt – nur aus anderen Bibelstellen ab. Es geht ja um die Würde jedes Menschen, wie sie das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland immer noch proklamiert – also  ausdrücklich “in Verantwortung vor Gott!“ (siehe oben ausführlich).

Als Zwischenergebnis möchte ich daher festhalten: Im Hinblick auf die Verantwortung vor Gott existiert eigentlich kein Unterschied zur christlichen Lehre:

  • Jeder Mensch steht immer noch in der Verantwortung vor Gott – gerade weil wir für Gott so wichtig sind. 
  • Gott freut sich, wenn wir im Glauben an ihn Schritte des Friedens gehen und Gutes für andere Menschen tun.
  • Nach christlicher Überzeugung sind die Engel dabei Boten des himmlischen Vaters, unmittelbar erlebbare Teile der Göttlichkeit, die wir in seltenen Augenblicken der Gnade erleben dürfen – aber die Engel haben, abgesehen vom Satan, keinen Eigenwillen gegenüber Gott.

Eine weitere Parallelität hatten wir schon im gemeinsamen Gespräch am 07.08.2023 zu Satan festgestellt: Satan ist der „Herrscher der Welt“, nur mit Gottes Hilfe können wir dessen Einfluss auf unser Leben ein wenig reduzieren.

Ibrahim hatte ja weitere hochinteressante Folien vorbereitet, die ich im Folgenden zunächst darstelle, um dann hierzu den weiteren Dialog eröffnen möchte.

Zur Stellung Adams/Adems nach dem Koran

Zusammenfassung des Vortrags von Ibrahim am 22.07.2023 in Saarbrücken (2. Teil).

Ibrahim hatte am 23.07.2023 noch weitere interessante Folgerungen für seinen Glauben als Muslim gezogen:

Hierauf basiert der zentrale Konflikt des Menschseins – also zwischen Adem und Satan – wie er exemplarisch in dem folgenden Bild dargestellt wird:

2026 02 21

Ibrahim und Adem erläutern dazu, dass die Lebenswirklichkeit des Menschen seitdem bis heute in dem dargestellten Zweikampf erlebt wird (Adem versus Satan).

Weiterer interreligiöser Dialog zu Schöpfung und Sündenfall

Christian Marettek schreibt: Das letzte gezeigte Bild von Ibrahim könnte genauso gut aus einer Bibelillustration zum Kampf von Jesus gegen den Versucher Satan in der Wüste stammen, wie sie in Matthäus 4, Markus 1,12 und Lukas 4 enthalten ist. Faszinierend ist für mich als Christ: Satan ist sowohl nach christlicher wie muslimischer Lehre der “Herrscher dieser Welt” ist, der die meisten Menschen verführt – der genauso wie es im oben zitierten Korankommentar von Aydin  nur mit der Kraft Gottes zurückgedrängt werden kann. Wir erbitten es täglich im Gebet, dass wir mit unserem Leben in der Nachfolge Jesu bleiben. Und wenn wir in die Irre gegangen sind (was immer wieder vorkommt): dass wir dann zurück zur Spur Jesu in unserem Leben finden. Dass wir vor allem immer mehr Männer und Frauen des Friedens werden.

(Als weiteren Platzhalter habe ich zunächst den Euch schon bekannten tabellarischen Vergleich eingefügt. Bei der Auswahl der Koranübertragung ins Deutsche hatte ich zunächst natürlich die mir seit 2018 verfügbaren deutschen Korankommentare verwendet. Jetzt habe ich die Übersetzung von Ali Ünal verwendet, die mir gut gefällt. Dabei ist mir aufgefallen, dass in Euren Folien durchaus auch andere Übersetzungen verwendet werden – das machen wir als Christen auch so.)

   

Bibel

Koran 

1 Mose 1 

1 Im Anfang schuf Gott den Himmel und die Erde.

3 Und Gott sprach: Es werde Licht! Und es wurde Licht.

26 Und Gott sprach: Lasst uns Menschen machen in unserm Bild, uns ähnlich! Sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über die Vögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alle kriechenden Tiere, die auf der Erde kriechen!

29 Dann sprach Gott: Hiermit übergebe ich euch alle Pflanzen auf der ganzen Erde, die Samen tragen, und alle Bäume mit samenhaltigen Früchten. Euch sollen sie zur Nahrung dienen.

Sure 40

64 Gott ist es, der euch die Erde zum feststehenden Ruheplatz und den Himmel wie einen Baldachin gemacht hat und eure Gestalt vollkommen gemacht hat, und Er versorgt euch mit reinen, bekömmlichen Dingen. Das ist Gott, euer Herr. Segensreich und erhaben ist Gott, der Herr der Welten!

1 Mose 2

9 Gott, der Herr, ließ aus dem Ackerboden allerlei Bäume wachsen, verlockend anzusehen und mit köstlichen Früchten, in der Mitte des Gartens aber den Baum des Lebens und den Baum der Erkenntnis von Gut und Böse.

17 Doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben. 17 doch vom Baum der Erkenntnis von Gut und Böse darfst du nicht essen; denn sobald du davon isst, wirst du sterben.