Aus der christlichen Lehre
Christian Marettek hatte am 22.07.2023 in Homburg in die christliche Lehre zu Abraham eingeführt. Es ist interessant, dass gerade der Stammvater Abraham (im Koran der Prophet Ibrahim) obwohl er vor rund 4000 Jahren lebte, für Juden, Christen und Moslems weiterhin eine große Bedeutung hat:
- Moslems identifizieren sich mit Ismael, dem ältesten Sohn Abrahams, den dieser von der Magd Hagar hatte.
- Juden führen ihre Abstammung auf Isaak, den zweiten Sohn Abrahams zurück, der von Abrahams Ehefrau Sarah geboren wurde (Abraham und Sarah waren schon alt und hatten keine Kinder, bevor sie dann doch noch Isaak bekamen).
- Für alle drei Religionen ist die Verheißung Gottes an Abraham wichtig, dass durch Abrahams Nachkommen alle Völker der Erde gesegnet werden: „in dir sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde“.
- Christen sehen diese Verheißung Gottes vor allem durch den Juden Jesus von Nazareth erfüllt (im Koran der Prophet Isa), der als Messias (= Christus) und damit als Erlöser für alle Menschen angesehen wird.
Was ist damals in Abrahams Familie passiert, dass dies heute noch für drei Weltreligionen wichtig ist?
Zunächst muss man wissen, dass Abraham sich in mehreren Prüfungen Gottes bewähren musste: er wird zunächst von Gott beauftragt, aus seiner Heimat im heutigen Irak auszuziehen in ein Land, das Gott ihm zeigen wollte, dies war gemäß Bibel das Land Kanaan (heute Palästina bzw. Israel).
In späteren Jahren fordert Gott sogar anscheinend das Opfer des einzigen Sohnes Isaak: erst im letzten Moment hält Gott Abraham auf und schenkt ihm an Stelle von Isaak ein Opfertier – und verbietet im gleichen Augenblick Menschenopfer für alle Zeiten (Menschenopfer waren in der damaligen Zeit durchaus üblich, um Götter gnädig zu stimmen). Abraham wird übereinstimmend zusammenfassend mit dem Ehrentitel „Freund Gottes“ bezeichnet, weil Abraham Gott glaubte, ihm also vertraute.
Die Söhne Abrahams
Nach der Bibel zerbricht die Familie Abrahams infolge ganz typischer menschlicher Fehler: Abraham und Sarah sind schon sehr alt und immer noch kinderlos. Da zweifeln sie die Verheißung Gottes an, ihnen noch ein Kind zu schenken. Sarah schlägt selbst vor, dass Abraham mit Hagar, der Magd von Sarah, schlafen sollte, um den dringend benötigten Stammhalter zu zeugen. Hieraus geht Ismael hervor.
Als dann doch noch Sarah Isaak gebärt, könnte die Familie Abrahams ja eigentlich ein Happy-End bekommen. Leider wachsen jedoch die Rivalitäten zwischen den beiden Teilfamilien Hagars (Mutter Ismaels) und Sarahs.
- Abraham hat beide Söhne lieb und kann trotzdem nicht auf Dauer erfolgreich vermitteln.
- Sarah fühlt sich irgendwann so stark von ihrer langjährigen Mitarbeiterin Hagar in den Hintergrund gedrängt, dass sie Abraham bittet, Hagar und Ismael wegzuschicken.
- In der Wüste sind Hagar und Ismael in Not und die Bibel berichtet: Gott hörte das Weinen von Ismael – und Gott rettet die beiden!
Die Bibel erzählt diese zu Herzen gehende Familientragödie sehr realistisch (obwohl die Bibel sonst nur die Linie von Isaak betrachtet).
Der Prophet Mohammed und Generationen von Moslems identifizieren sich vorrangig mit Ismael, hieraus ist eines der größten islamischen Feste im Jahr entstanden. Faszinierenderweise sind sich Muslims mit Juden und Christen in dieser Geschichte von Abrahams ganz einig: das muslimische Fest basiert auf der alttestamentlichen Stelle, die als solche im Koran zwar vorausgesetzt wird, aber nicht explizit enthalten ist:
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1.Mose 16 1 Sarai, Abrams Frau, hatte ihm keine Kinder geboren. Sie hatte aber eine ägyptische Magd namens Hagar. 2 Sarai sagte zu Abram: Der Herr hat mir Kinder versagt. Geh zu meiner Magd! Vielleicht komme ich durch sie zu einem Sohn. Abram hörte auf sie. 3 Sarai, Abrams Frau, nahm also die Ägypterin Hagar, ihre Magd, – zehn Jahre, nachdem sich Abram in Kanaan niedergelassen hatte – und gab sie ihrem Mann Abram zur Frau. 4 Er ging zu Hagar und sie wurde schwanger. Als sie merkte, dass sie schwanger war, verlor die Herrin bei ihr an Achtung. 5 Da sagte Sarai zu Abram: Das Unrecht, das ich erfahre, komme auf dich. Ich habe dir meine Magd überlassen. Kaum merkt sie, dass sie schwanger ist, so verliere ich schon an Achtung bei ihr. Der Herr entscheide zwischen mir und dir. 6 Abram entgegnete Sarai: Hier ist deine Magd; sie ist in deiner Hand. Tu mit ihr, was du willst. Da behandelte Sarai sie so hart, dass ihr Hagar davonlief. 7 Der Engel des Herrn fand Hagar an einer Quelle in der Wüste, an der Quelle auf dem Weg nach Schur. 8 Er sprach: Hagar, Magd Sarais, woher kommst du und wohin gehst du? Sie antwortete: Ich bin meiner Herrin Sarai davongelaufen. 9 Da sprach der Engel des Herrn zu ihr: Geh zurück zu deiner Herrin und ertrag ihre harte Behandlung! 10 Der Engel des Herrn sprach zu ihr: Deine Nachkommen will ich so zahlreich machen, dass man sie nicht zählen kann. 11 Weiter sprach der Engel des Herrn zu ihr: Du bist schwanger, du wirst einen Sohn gebären und ihn Ismael (Gott hört) nennen; denn der Herr hat auf dich gehört in deinem Leid. 12 Er wird ein Mensch sein wie ein Wildesel. Seine Hand gegen alle, die Hände aller gegen ihn! Allen seinen Brüdern setzt er sich vors Gesicht. 15 Hagar gebar dem Abram einen Sohn und Abram nannte den Sohn, den ihm Hagar gebar, Ismael. 1.Mose 21 9 Eines Tages beobachtete Sara, wie der Sohn, den die Ägypterin Hagar Abraham geboren hatte, umhertollte. 10 Da sagte sie zu Abraham: Verstoß diese Magd und ihren Sohn! Denn der Sohn dieser Magd soll nicht zusammen mit meinem Sohn Isaak Erbe sein. 11 Dieses Wort verdross Abraham sehr, denn es ging doch um seinen Sohn. 12 Gott sprach aber zu Abraham: Sei wegen des Knaben und deiner Magd nicht verdrossen! Hör auf alles, was dir Sara sagt! Denn nach Isaak sollen deine Nachkommen benannt werden. 13 Aber auch den Sohn der Magd will ich zu einem großen Volk machen, weil auch er dein Nachkomme ist. 14 Am Morgen stand Abraham auf, nahm Brot und einen Schlauch mit Wasser, übergab beides Hagar, legte es ihr auf die Schulter, übergab ihr das Kind und entließ sie. Sie zog fort und irrte in der Wüste von Beerscheba umher. 15 Als das Wasser im Schlauch zu Ende war, warf sie das Kind unter einen Strauch, 16 ging weg und setzte sich in der Nähe hin, etwa einen Bogenschuss weit entfernt; denn sie sagte: Ich kann nicht mit ansehen, wie das Kind stirbt. Sie saß in der Nähe und weinte laut. 17 Gott hörte den Knaben schreien; da rief der Engel Gottes vom Himmel her Hagar zu und sprach: Was hast du, Hagar? Fürchte dich nicht, Gott hat den Knaben dort schreien gehört, wo er liegt. 18 Steh auf, nimm den Knaben und halt ihn fest an deiner Hand; denn zu einem großen Volk will ich ihn machen. 19 Gott öffnete ihr die Augen und sie erblickte einen Brunnen. Sie ging hin, füllte den Schlauch mit Wasser und gab dem Knaben zu trinken. 20 Gott war mit dem Knaben. Er wuchs heran, ließ sich in der Wüste nieder und wurde ein Bogenschütze. 21 Er ließ sich in der Wüste Paran nieder und seine Mutter nahm ihm eine Frau aus Ägypten. |
Sure 2,124-127 124 Und (gedenkt,) als Ibrahim von seinem Herrn mit Worten geprüft wurde, da befolgte er sie. Er (Allah) sagte: „Ich will dich zu einem Vorbild für die Menschen machen.“ Ibrahim sagte: „Und von meiner Nachkommenschaft?“ Er sagte: „Mein Bund erstreckt sich nicht auf die Ungerechten.“ 125 Und als wir das Haus zu einem Ort der Einkehr für die Menschen und zu einer Stätte der Sicherheit machten und (sagten: „Nehmt Ibrahims Standort als Gebetsplatz!“ Und Wir verpflichteten Ibrahim und Ismail: „Reinigt Mein Haus für diejenigen, die den Umlauf vollziehen und die sich (dort) zur Andacht zurückziehen und die sich (vor Allah) verbeugen und niederwerfen.“ 126 Und (gedenkt,) als Ibrahim sagte: „Mein Herr, mache dies zu einer sicheren Ortschaft und versorge ihre Bewohner mit Früchten, wer von ihnen an Allah und den Jüngsten Tag glaubt!“ Er (Allah) sagte: „Wer aber ungläubig ist, den lasse ich ein wenig genießen, hierauf zwinge ich ihn in die Strafe des Höllenfeuers – ein schlimmer Ausgang!“ 127 Und (gedenkt,) als Ibrahim die Grundmauern des Hauses errichtete, zusammen mit Ismail, da beteten sie: „Unser Herr, nimm (es) von uns an. Du bist ja der Allhörende und Allwissende. ,131-132 131 (Damals,) als sein Herr zu ihm sagte: „Werde Muslim!“ Ich habe mich dem Herrn der Weltenbewohner ergeben.“ 132 Und Ibrahim befahl es seinen Söhnen an – (er) und Jakob: „O meine Kinder, Allah hat euch die Religion auserwählt; so sterbt denn nicht, außer ihm ergeben zu sein!“ 135 Sie sagen: „Werdet Juden oder Christen, so seid ihr rechtgeleitet.“ Sag: Nein! Vielmehr das Glaubensbekenntnis Ibrahims, Anhängers des rechten Glaubens, und er gehörte nicht zu den Götzendienern. 136 Sagt: Wir glauben an Allah und an das, was zu uns als Offenbarung herabgesandt worden ist, und an das, was zu Ibrahim, Ismael, Isaak, Jakob und den Stämmen herabgesandt wurde, und an das, was Mose und Isa gegeben wurde, und an das, was den Propheten von ihrem Herrn gegeben wurde. Wir machen keinen Unterschied bei jemandem von ihnen, und wir sind Ihm ergeben. Sure 19,54-55 54 Und gedenke im Buch Ismails. Gewiss, er war wahrhaftig in seinem Versprechen, und er war ein Gesandter und Prophet. 55 Und er pflegte seinen Angehörigen das Gebet und die Abgabe zu befehlen, und er war seinem Herrn wohlgefällig. Sure 38,45 45 Und gedenke Unserer Diener Ibrahim, Isaak und Jakob, die Kraft und Einsicht besaßen. |
Zwischenergebnis aus christlicher Sicht
Nirgendwo sind sich alle drei monotheistischen Religionen so nahe! Einerseits basiert der koranische Text zu Hagar offenkundig auf dem biblischen Text.
Wenn man den Sinn der Bibelstelle um Hagar und Ismael analysiert, dann bügelt Gott selbst hier einen brutalen Fehler von Abraham und Sara aus, die mit der Verstoßung von Mutter und Kind in die Wüste schuldig wurden. Die Bibel ist hier insoweit ganz auf der Seite Ismaels.
Wie die Koranstellen in der rechten Tabelle zeigen: Umgekehrt betet der Prophet in Sure 38,45 für Abraham, Isaak und Jakob, den Stammvätern Israels!
Christian schreibt: Es wäre schön, wenn wir wieder einander so nah kämen und füreinander beten würden! Ist eine ehrliche Heilung der Familie Abrahams z.B. in Zeiten des Gaza-Kriegs noch möglich? Jedenfalls sind Bibel und Koran ursprünglich eng beieinander. Nach Überzeugung von Christian, können wir eine Wieder-Annäherung der Völker nur mit Gottes Hilfe schaffen, wenn wir – wie unser Grundgesetz – allen Menschen die gleiche von Gott geschenkte Würde beimessen. In der Lehre von Jesus sind geheimnisvolle Hinweise enthalten, wie wir um der Heiligkeit Gottes willen, echte Liebe auch für Feinde haben können.
